Spezialbehandlung

The Treatment von Hans Herbots the-treatment-posterEin neuer Fall für Inspektor Nick Cafmeyer lässt alte Wunden neu aufbrechen: eine Familie wurde überfallen, die Eltern einzeln an die Heizung gefesselt ihrem Schicksal überlassen, der Sohn entführt und später verdurstet gefesselt auf einem Baum gefunden. Das Kind wurde schwer misshandelt, das Haus ist innen mit Blut und Urin beschmiert und die Worte „Female Toxin“ finden sich an der Wand. Eine harte Nuss und Cafmeyers unverarbeitete Erinnerung an das verschwinden seines kleinen Bruders als er neun war kommt in ihm hoch. Ist hier ein Pädophiler am Werk und könnte der Fall etwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben?

(Ich spoilere)

Für mich wurde der Film, der mit 2 Stunden deutlich zu lang ist, mit jeder Minute und dem Auflösungsfinale eine größere Qual. Warum ich sitzen blieb? Ich hatte tatsächlich die Hoffnung, das Ende wäre nicht so platt. Doch von Beginn an: mir hängt dieser „er hat alles, sieht gut aus und ist ein Spitzenpolizist mit traumatischer Vergangenheit“-Typ einfach zum Hals heraus. Pseudotoughe Haudraufs, die ach so sehr unter einer ganz schlimmen Begebenheit aus ihrer Kindheit leiden, auf einmal völlig sinnfrei agieren, unprofessionell arbeiten und zufällig Parallelen finden und auf Verdächtige stoßen. Gut, so sind auch viele gute Krimis aufgebaut, aber hier nervte mich dieser Stereotyp einfach nur ab, besonders sein hysterischer Aggrostyle. Die Geschichte, so hatte ich die Hoffnung, schien kurze Zeit in Richtung Mystery zu gehen nur um dann einen für „Normalos“ idealen Täter aufzubauen, der in sich nicht widersprüchlicher hätte sein können. Es gibt sicherlich mental schwer verwirrte und kranke Menschen, emotionslos, schwer gestört eben, aber eine Darstellung, die impliziert hier einen geistig behinderten Menschen vor sich zu haben (der Mann konnte sich nicht einmal richtig artikulieren), mit möglichem Autismus und diesen zum Intensivtäter zu machen, der auf Grundlage alter wissenschaftlicher Untersuchungen, hervorragend durchdachte Taten begeht, halte ich für abscheulich und erinnert mich an die Ungeheuerlichkeit in „Das siebente Zeichen“ einen Mann mit Trisomie in die Gaskammer zu stecken, weil er in Gottes Namen seine Eltern getötet hatte. Wäre doch die Geschichte beim Troll oder einer Sekte geblieben, aber nein. Natürlich sind, insbesondere in Filmen, Serientäter geistig erkrankt, aber die Darbietung des Täters hier ließ doch eher andere Schlüsse zu und das hat mich völlig aus dem Tritt gebracht, zudem ich zum großen Teil den Sinn des Geweses, dass der Täter am Tatort hinterlassen hat überhaupt nicht verstanden habe, für mich nicht nachvollziehbar war. Scheinbar wusste man nicht wie man eine solche Figur verpacken soll, aber so ging das gar nicht.

Ein weinerlicher übersensibler Hartbrocken von Spitzenpolizist ermittelt dann also in schwerer Familienmisshandlung mit pädophilen Handlungen. Daneben ermittelt er in seiner Vergangenheit und findet den Buhmann, seinerzeit und heute. onion_msn_1-253A10Das alles wurde ohne jeglichen Drive inszeniert, hat null Sympathieträger, baut keinen Charakter auf und zieht sich wie Kaugummi über zwei Stunden. Für mich eine erzählerische und darstellerische Katastrophe, die, für ich weiß nicht was, noch einen Gnadenpunkt bekommt. Vielleicht erklärt mir auch irgendwann irgendwer die Geschichte schlüssig.

The Treatment DE BEHANDELING BELGIEN 2014 125 MIN NIEDERLÄNDISCHE OMEU REGIE HANS HERBOTS DARSTELLER GEERT VAN RAMPELBERG, INA GEERTS, JOHAN VAN ASSCHE, LAURA VERLINDEN, INGRID DE VOS, PATRIZIA BERTI DREHBUCH CARL JOOS, MO HAYDER (BUCHVORLAGE) PRODUZENT PETER BOUCKAERT VERLEIH VERO FILM

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