WeitesLandUndKeinHerzFürKannibalen

Bone Tomahawk von S. Craig Zahler

BoneTomahawkDirected by S. Craig Zahler
Produced by Jack Heller, Dallas Sonnier
Written by S. Craig Zahler
Starring Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox, Richard Jenkins, Lili Simmons, David Arquette, Sid Haig, Sean Young
Music by Jeff Herriott, S. Craig Zahler
Cinematography Benji Bakshi
Edited by Greg D’Auria, Fred Raskin
Production company  Caliber Media Company
Distributed by RLJ Entertainment
Release dates September 25, 2015 (Fantastic Fest), October 23, 2015 (United States)
Running time 132 minutes
Country United States
Language English

 

Irgendwann gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts verdienen sich Purvis und Buddy irgendwo im Wilden Westen auf sehr unseriöse Weise ihren Lebensunterhalt: sie überfallen und töten kampierende Reisende im Schlaf. Doch die Tage der beiden sind gezählt, als sie sich in ein Tal verirren, das tödliche Bewohner hat.
Buddy überlebt die Begegnung nicht und Purvis flüchtet sich in ein kleines Städtchen, das bislang friedvoll vor sich hindümpelte.
Leider lockt Purvis auch seine unangenehmen Verfolger mit in die Stadt und die haben nichts besseres zu tun als sich ihn, den Deputy Sheriff und die hübsche Krankenschwester des Ortes zu schnappen und abzuhauen.
Ganz klar, die Chancen stehen schlecht, nichtsdestotrotz macht sich Sheriff Franklin Hunt auf, die drei zu suchen und wird von Snob und Schürzenjäger John Brooder, seinem schon sehr betagten „Back Up Deputy“ Chicory sowie dem Ehemann Schwester Samanthas, Arthur O’Dwyer, begleitet, der sich noch mit einem offenen Bruch im Bein herumplagt.
Eine Suche unter schwierigen Umständen und mit vager Vorstellung, was die Männer genau auf ihrer Suche erwartet.

Ja „Bone Tomahawk“ ist ein Western und ja ein extrem entschleunigter, der weder durch tolle Sonnenuntergänge und schöne Landschaften punktet, noch durch Action und Keilereien im Saloon.
Warum S. Craig Zahler mich dennoch mit einem Film, der über zwei Stunden geht und in dem fast nichts passiert begeistern kann? Kurt Russell? Patrick Wilson? Kannibale oder eine starke Frauenrolle?
Vielleicht alles zusammen.
Natürlich war es hilfreich, dass meine Erwartungen an den Film nicht sehr groß waren. Ich rechnete mit einer gewissen Langsamkeit und einer einfachen Inszenierung und das habe ich bekommen.
Es passiert nicht viel in diesem Film, das jedoch gut gespielt mit viel Wortwitz und Galgenhumor, absolut glaubwürdig und am Schluss mit ein paar echten Goreschockermomenten, die gezielt reinhauen.
Viel erfährt man nicht über die Protagonisten.
Sheriff Hunt ist ein patenter aufrechter Kerl mit kranken und unterwürfiger Ehefrau, der immer für seine Schäfchen da ist; John Brooder ist gebildet, gut gekleidet und liebt die Damen, außerdem ist der fest der Meinung, dass die anderen drei ohne ihn nicht überleben könnten; der alte Chicory ist alt, nicht besonders helle, aber was solls, eine gute Seele und Arthur O’Dwyer ist eine Art Cowboy, der sich bei Hausarbeiten einen offenen Bruch zugezogen hat, zum Glück jedoch das emanzipierteste und gescheiteste, vielleicht auch hübscheste Weibsbild der Stadt seine Ehefrau nennen darf, Samatha. Die junge Dame hat fundierte medizinische Kenntnisse und ist wie gesagt auch sonst nicht auf den Kopf gefallen, wenn auch den Entführern in die Hand.
So machen sich die vier Männer nach einer kurzen Vorgeschichte, die die Brutalität von Strauchdieben überhaupt nicht schönt, auf die Suche nach drei Entführten und müssen sich nach der fachmännischen Beratung durch den lokalen Indianerexperten, auf ein paar Primitive einrichten, die kannibalische Neigungen haben sollen.
Ein langer Ritt liegt vor ihnen und vor uns. Man reitet, redet, schläft, wird überfallen, ausgeraubt, geht zu Fuß weiter und trifft Entscheidungen, alles in fast schon epischer Länge für mich dennoch sehr kurzweilig, weil einfach auch unterhaltsam.
Dass es am Schluss dann Schlag auf Schlag so richtig blutig wird, liegt in der Natur der Sache, zeigt wie wild der Westen war und dass Pfeile durchaus treffen, auch gerne mal alle und Kannibalen nicht nach Namen gehen.
8-101Tja, gute Sache das, sofern man die Ruhe weg hat und sich an wenig über eine lange Zeit verteilt erfreuen kann.
Die Darsteller sind großartig und wer Kurt Russell hier nicht gut findet soll in der Hölle verdampfen.

3 thoughts on “WeitesLandUndKeinHerzFürKannibalen”

  1. Das hört sich beinahe so an, als ob man den Film im Kino sehen müsste. Irgendwie erinnert mich der Film, von Deiner Beschreibung her, etwas an den diesjährigen „Slow West“ mit Michael Fassbender. Bei langsam erzählten Filmen ist es ja mitunter schwierig, die Geduld und Konzentration Zuhause aufzubringen. Ich freue mich aber schon. 🙂

    1. „Slow West“ habe ich noch immer nicht gesehen. Muss ich mal nachholen.
      Ja, so lange langsame Filme zu Hause zu sehen ist schwierig, im Kino fällt mir das auch leichter, mich darauf einzulassen.
      Bin gespannt wie Deine Meinung sein wird 🙂

  2. Klingt gut. da bin ich ja beruhigt. Den Trailer fand ich ja schon sehr interessant… von daher… ich bin ja sowieso fasziniert, wie stark der Western doch wieder zurückkommt. Und nicht nur wegen Tarantino 😀

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