DerFluchDesAlkohols

Flight von Robert Zemeckis

Flight_filmInhalt:
Whip Whitaker ist Pilot eines Passagierflugzeuges und hat ein ernsthaftes Alkohol- und Kokainproblem, doch während es bei seinem aktuellen Flug zu massiven technischen Problemen kommt, kann er die auseinanderbrechende Maschine Notlanden und fast allen Passagier damit das Leben retten.
Schnell wird jedoch während der Ermittlungen der NTSB festgestellt, dass Whitaker mehr als zwei Promille Alkohol im Blut hatte und dazu noch Kokain. Damit ist die Rettung der Menschen praktisch zur Nebensache geworden und Whip steht bereits mit einem Bein im Gefängnis.

Fazit:
„Flight“ ist so ein Film, bei dem ich schon überlegen musste, ob er mir gefallen hat oder nicht, denn irgendwie hat er mich emotional recht kalt gelassen.
Angefangen mit Pilot Whitakers Dienstantritt, voll wie ein Amtmann, was ich so mal als nicht unglaubwürdig annehme, war ich schon skeptisch als er auf erreichter Höhe, die nur mit Mühe und Not bei schwerem Unwetter zu erzielen war (wie da gibt es eine Starterlaubnis???), plötzlich aus dem Cockpit herauskommt und eine Ansprache zu den Passagieren hält. Also bitte wann hat das wer das letzte Mal gesehen?
Ich fliege nicht viel, aber es war mir in meinen fast fünzig Lebensjahren nie vergönnt den Flugkapitän in der Passagierkabine zu sehen. Davon abgesehen, dass er sich nebenbei noch an den alkoholischen Getränken vergreift. Egal.
So „schön“ dann der ganze Absturz auch inszeniert war, war nun auch klar, dass praktisch alles an den Haaren herbeigezogen wurde.
Da lag die Maschine nun, der Pilot im Krankenhaus und nur leicht verletzt, aber sehr durstig und unbedingt unternikotiniert, trifft er im Treppenhaus auf eine rauchende Heroinnahtoderfahrung die für das was sie gerade durchgemacht hat, eine verdammt gute Gesichtfarbe hatte, nicht so im weiteren Verlauf unser Protagonist, der nach dem tapferen Versuch einen Tag nicht zu trinken immer wieder rückfällig wird und sich zu keinem Zeitpunkt eingesteht Alkoholiker zu sein. Anders die Nahtoderfahrung, die er spontan, obwohl er beim Absturz gerade seine Freundin verloren hat, die er echt mochte, bei sich aufnimmt und die dank einer Sitzung bei den Anonymen Alkoholikern clean wird – tapferes Mädchen.
Whitaker alias Denzel Washington wimmert sich derweil über gefühlte 90 Minuten oder so, durch seine Variation eines Alkoholikers, ja zeigt sogar den blanken Hintern. Oscarwürdig war das in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt, weil Washington einfach keine Varianz in seinem Spiel hatte, nicht berühren konnte, sondern nur einen scheinbar besoffenen Schwamm darstellte. Auch war mir nicht klar, warum die Gewerkschaft oder besser gesagt sein Freund interesse daran hatten seine Sucht als nicht existent darzustellen, aber so wenig für Whip taten und erst am Schluss in Aktion kamen und das noch halbherzig.
Na ja, so dümpelte der Film dann vor sich hin, bis zum Möchtegernhochemotionaldrama bei der Anhörung (wieder mit Melissa Leo
hihi) und der Hollywoodeinsicht: ja ich saufe und nehme Drogen und ja ich bin schuldig, aber dafür vergibt mir endlich mein Sohn. Amen.
Vielleicht hätte mehr Don Cheadle (großartig als Whitakers Anwalt, aber wer ihn nicht mag ist sowieso böse) und John Goodman (Whitakers Kumpel und Drogendealer, ebenfalls ein Highlight der Schauspielzunft und wer ihn nicht mag schmort ewiglich in der Hölle) den Film retten können, ich weiß es nicht, aber eins ist klar: Denzel Washington wird maßlos überbewertet.
So bleibt ein kratziger Belag auf der Zunge mit dem Gefühl ein mittelprächtiges Drama gesehen zu haben, das weder berührt noch in Erinnerung bleiben wird.
Schade, aber Robert Zemeckis steht für mich auch für Tops und Flops. Entweder ich liebe seinen Film oder ich finde ihn wirklich scheusslich.4:10

Flight Directed by Robert Zemeckis Produced by Laurie MacDonald Walter F. Parkes Jack Rapke Steve Starkey Robert Zemeckis Written by John Gatins Starring Denzel Washington Don Cheadle Melissa Leo Kelly Reilly John Goodman Bruce Greenwood Music by Alan Silvestri Cinematography Don Burgess Editing by Jeremiah O’Driscoll Studio Parkes + MacDonald Prods. ImageMovers Distributed by Paramount Pictures Release date(s) October 14, 2012 (New York Film Festival) November 2, 2012 (United States, Canada) Running time 139 minutes[1] Country United States Language English Budget $31 million[2] Box office $101,851,128

9 thoughts on “DerFluchDesAlkohols”

  1. Hah. :)) Endlich einer, der dieses filmische Desaster mal korrekt bewertet. :))

    Richtig, es hätte gar keine Starterlaubnis gegeben und richtig, der Kapitän hätte (insbesondere nach 9/11) nicht das Cockpit verlassen, um eine Ansage zu machen. Und mit dem spektakulären Manöver hätte er vielleicht die Maschine auf den Boden bekommen (runter kommen sie alle!), aber Überlebende hätte es da ganz sicher nicht gegeben.

    Die ganze Geschichte war aber auch sonst an den Haaren herbeizogen, sehe ich genauso und Denzel ist nie überzeugend gewesen, dafür aber der großartige Don Cheadle. 🙂 Also Punkte für Don Cheadle, Melissa Leo und natürlich John Goodman, der die beiden besten Szenen des ganzen Films zweifelsfrei für sich entscheiden konnte. 🙂

  2. Dachte ich mir mit dem Wetter, hätte man doch getrost weglassen könne, da es doch ohnehin um einen technischen Defekt ging, der damit nichts zu tun hatte. Aber so ist Hollywood: immer noch eins draufsetzen.
    Ja die Punkte gibt’s für die drei Guten 🙂

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