AußerKontrolle

Planet der Affen: Prevolution von Rupert Wyatt

planet_der_affen_prevolution_2011Inhalt:
Gegenwart.
Der ergeizige Wissenschaftler Will Rodman möchte unbedingt ein Heilmittel gegen Alzheimer entwickeln. Nicht ganz uneigennützig, denn Wills Vater leidet an dieser unheilbaren Vergesslichkeit.
Will ist bereits sehr weit mit seiner Forschung und testet den Virus an Schimpansen. Zu seiner großen Freude schlägt das Mittel bei einer Probandin an. Die kognitiven Fähigkeiten der Versuchsschimpansin schnellen in kurzer Zeit in die Höhe – Zeit für eine Präsentation.
Doch als der Affe geholt werden soll, verhält sie sich aggressiv und abwehrend… die Vorführung vor dem Vorstand endet in einem Desaster in Folge dessen alle Affen getötet werden. Will ist am Boden zerstört, als der Tierpfleger ein Schimansenbaby im Käfig der Probandin findet: sie wollte nur ihr Kind verteidigen.
Dennoch ist es kein guter Zeitpunkt die Entdeckung publik zu machen und Will nimmt den Affen heimlich mit zu sich nach Hause und impft seinen Vater mit seinem Heilmittel.
Wills Dad scheint geheilt und als Sahnehäubchen hat der kleine Caesar offenbar die verbesserten Gene seiner Mutter geerbt und ist außergewöhnlich Intelligent.
Die Jahre vergehen, Caesar wird immer intelligenter, doch Wills Vater wird gegen den Impfstoff immun und verfällt zusehens. Und während Will weiterforscht passiert das Drama: der verwirrte Vater geht auf die Straße und kommt unbeabsichtigt mit dem aggressiven Nachbarn in Konflikt, Caesar will seinen Ziehvater verteidigen und greift ein und muss in eine Affenauffangstation gebracht, wo er zu erstem Mal in seinem Leben unter anderen Affen ist und sieht, wie die Menschen mit ihnen umgehen…

Fazit:
So, da sind wir nun erstmalig bei der Vorgeschichte zu Planet der Affen und prompt wird die Story auf den Kopf gestellt.
Von wegen Atomkrieg, sich aus niederen Beweggründen gegenseitig killen oder durch Wurmlöcher gezogene genetisch veränderte Schimpansen, die Ihren Vorteil nutzen, nein, der Anfang vom Ende wird ein Virus sein, so ändern sich die Feindbilder…
Rupert Wyatt prequelt somit weder Burtons, noch die Originalversion (ich habe keine Ahnung warum hier immer wieder von logischem Anschluss geredet wird), aber was solls, heißt es wenigstens im Filmbuisiness: jeder für sich alleine und Hauptsache die Kasse klingelt.
Aber was rede ich, hier wurde auch ordentlich reingebuttert. Abgesehen von der Vermarktung, glänzt der Streifen tatsächlich durch ein für heutige Verhältnisse ganz ordentliches CGI, also Motion Capture. Wieder mal durfte der ich-kann-alles-spielen-Spezialist Andy Serkins in den Spezialanzug schlüpfen und verlieh dem Protagonisten Caesar den tötlichen Blick (und mehr). Eigentlich ist er die zentrale Figur, hinter der, bis auf eine Ausnahme, alle verblassen. James Franco gibt hier eine schon fast lustlose Perfomance, Freida Pinto war absolut austauschbar, Brian Cox, gab nur seinen Namen und Tom Felton muss aufpassen, dass er nicht für immer und ewig auf das Ekelpaket festgelegt wird. Einzig und alleine John Lithgow konnte sich neben den Affen behaupten und schwemmte mir ein Tränchen in die Augen.
All meinen Unkenrufen zum Trotz, ist dieses Prequel nicht schlecht, so wird auch mit den klassischen Feindbildern gespielt, die uns seit den Siebzigern bewegen: profitgeile Pharmaunternehmen, machen gewissenlose Tierexperimente, pferchen die armen Wesen in olle Stahlkäfige und machen alle tot, sobald sie lästig werden, natürlich erst, nachdem wir alle in ihre Gesichter gesehen haben. Etwas geht schief, einer entkommt und wumm, ist die Katastrophe da. Dass sie diesmal in Gestalt von überhöhter Intelligenz kommt ist das einzige wo sich Burton und Wyatt treffen, wobei wir uns offensichtlich auch heute noch nicht damit abfinden können, dass Menschenaffen durch zeitliche Weiterentwicklung intelligent und sprechend werden, sondern es muss eine Veränderung aus Menschenhand sein. So kommt der Film dann auch zwar mit einer scheinbar modernen, aber letztendlich viel überheblicheren Sichtweise als sein Vorgänger aus den Sechzigern daher und immer wenn ich versuche positive Eindrücke zu sammeln, fällt mir auf wie viele Mängel dieser Film hat.
Aber: „Planet Der Affen: Prevolution“ ist die erste Version, in der man bereits nach kurzer Zeit auf der Seite der Affen steht und die ganz ohne religiöses Gedöns auskommt. Ist ja auch was wert.
So und jetzt noch mal geordnet: der Streifen hat was, legt zwar neue Grundlagen und hat von daher nichts mit den Originalen zu tun, ist aber ganz bewegend gemacht. Auch wenn die Hauptdarsteller aus Pixeln bestehen und viele Aufnahmen und Bewegungen einfach noch comichaft aussehen, sind sie die besseren Schauspieler und Identifikationsobjekte. Jede Handlung ist nachvollziehbar und es ist schon nett anzusehen, was dem CGI-Caesar da auf den Leib geschrieben wurde, ja ab einem bestimmten Punkt möchte man einfach, dass die Affen die Welt übernehmen, weil sie die besseren Menschen sind.
Dennoch gibt es praktisch nur Stereotype und in die Figuren der Menschen wurde einfach zu wenig investiert, da passiert kaum was, so dass er mir in nicht unerheblichem Maß einfach zu lieblos hingeschludert war.
Letztendlich ist
„Planet Der Affen: Prevolution“  wieder mal der Sieg der Technik über den Menschenverstand. Nett anzusehen, aber nicht wirklich besser als ein räudiges Affenkostüm.

Planet Der Affen USA 2011 – Originaltitel: Rise of the Planet of the Apes – Regie: Rupert Wyatt – Darsteller: James Franco, Freida Pinto, John Lithgow, Brian Cox, Tom Felton, Andy Serkis, Chelah Horsdal, David Hewlett, Tyler Labine – FSK: ab 12 – Länge: 105 min.

36 thoughts on “AußerKontrolle”

  1. Warum grübeln? Ich habe ihn schon mit Freude gesehen, Du weißt ja, ich stehe auf den Technikkram. Aber ich fand, so sentimental er an einigen Stellen auch war, so herzlos war er für meinen Geschmack insgesamt. Außerdem weiß ich nicht, ob mir das motioncapture niicht langsam zu viel wird.

  2. Also, ich habe gedacht: „Wow! Das ist der beste Hollywood-Fantasystreifen, den ich seit langem gesehen habe.“
    Außerdem habe ich mich ernsthaft (trotz CGI & Co) gefragt: „Wie haben die das hingekriegt“.
    Ich habe nur noch ganz still dagesessen und gestaunt…

  3. Na mit Rechnerkapazität :))
    Nein, im ernst, ich mag computeranimierte Elemente durchaus, aber um Menschen, menschenähnliches oder Tiere in diesem Umfang nachzumachen und zu ersetzen – ich weiß nicht, da mag ich die handgemachten FX und Masken einfach lieber.

  4. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr an die alten Filme erinnern. Na gut, Burtons ist mir noch in Erinnerung. Vielleicht hat er Dir deshalb (also wg. der ganz alten) nicht soo gut gefallen. James Franco gab wirklich eine recht lustlose Performance (ähnlich wie bei den Oscars) und ich hoffe, dass er sich langsam wieder fängt. Freida Pintos Charakter fand ich sogar komplett verzichtbar. Hach, der Lithgow ist toll, so ein großartiger Schauspieler. Ich bin jedenfalls gespannt, wie diese Affen-Geschichte weitergeht. 🙂

  5. Hm, ich bin eigentlich auch ein Freund handgemachter Effekte, aber in diesem Film fand ich die motion capture Elemente schon sehr hilfreich, weil Caesars Mimik dadurch so menschlich wirkte, dass man ihn als Person wahrnahm und mehr als nur reines Mitleid fühlte… Wäre aber echt cool zu sehen, ob ein sehr guter Schauspieler den gleichen Effekt mit einer Maske erzielen könnte :).

  6. Die alten hatte ich früher verschlungen und sogar im Kino gesehen, trotzdem fand ich die natürlich trashig 😉
    Den Burton mag ich bis heute am liebsten. Ich weiß, da stehe ich alleine, aber da gefällt mir das Gesamtkonzept: Geschichte-Kostüme-Schauspieler und Musik.
    Prevolution war schon nicht schlecht, aber insgesamt haben sie alles auf eine Karte gesetzt: Caesar. Mir war das einfach zu wenig, nur einer Computeranimation zu folgen. Ich mochte das auch bei Streifen, wie zum Beispiel Beowulf und Avatar nicht.
    Beim Sehen geht es noch, aber mir stößt das dann im Nachhinein total auf 🙂

  7. Ich weiss, dass Burtons total verrissen wurde, soo schlecht fand ich den auch nicht. Also Du stehst nicht alleine. 🙂

    Gut, die Begründung, dass es nur um Caesar geht, kann ich nicht gelten lassen. Wie oft hast Du nicht computeranimierte Filme, also mit richtigen Schauspielern, und es geht nur um die Geschichte eines Einzelnen. Das fand ich hier perfekt, weil Du dadurch halt auch Mitgefühl für die Affen (bzw. für Caesar) entwickeln konntest. „Beowulf“ habe ich nicht gesehen, bei „Avatar“ kann ich mich nicht erinnern, dass ich für eine bestimmte Figur gefiebert habe. War eh ein blöder Film, ausschließlich nennenswert wg. der Computeranimationen.

  8. Da kann ich nur sagen: Tim Roth in Burtons Planet der Affen, obwohl eigentlich alle Schaupieler/Affen gut waren.
    Wenn man es genau nimmt, hat das motion capture zwar die aufwändige Maske ersetzt, aber die Bewegungen waren dennoch mehr menschlich als äffisch. Von daher fand ich nicht, dass es wirklich was gebracht hat, außer für diese Technik zu werben.
    Ich hätte übrigens auch mit einen Menschen im Plüschfell oder einen echten Schimpansen mit gefühlt. Wenns drauf ankommt heule ich auch mit Stop Motion Knetmännchen, dafür brauche ich das High Tech Zeugs nicht wirklich.
    Es gab viele richtig gute Szenen, aber als Gesamtwerk hat er bei mir nicht so gut funktioniert.

  9. Stimmt schon, natürlich ging es um diesen einen Affen, nur fand ich das die anderen Rollen dagegen echt unterentwickelt und stereotyp waren, und ich die Dominanz der CGI-Charakter so nicht erwartet hätte. Ich weiß nicht, ob mich hier die Fortsetzung reizen kann, denn dann muss ja praktisch alles Animiert werden und das macht mir so in dieser Form keinen Spaß.

  10. Für mich war das der eigentliche Witz des Films, dass man die Affen darin in etlichen Szenen nicht nur im übertragenen Sinne als die besseren Menschen wahrgenommen hat :). Ich kann deinen Standpunkt aber gut nachvollziehen.

  11. Ich glaube nicht. Die Geschichte ist wie beschrieben natürlich ganz anders, aber insgesamt ist er schon gut gemacht, sofern Du auf computergenerierte Charakter stehst.
    Ich persönlich bin wirklich zerrissen, einerseits finde ich den Film in weiten Teilen toll, andererseits mag ich nicht wirklich, dass Menschen und Tiere durch CGI ersetzt werden (denn irgendwann brauchen sie das Motion Capture dann auch nicht mehr) und alles nach Wunsch gerendert wird.

  12. Menschen sind niemals gut.
    Die Affen sind irgendwann so wie wir hätten sein sollen.
    (Was natürlich in Bezug auf Schimpansen absolut lächerlich ist, da die in Freiheit Kriege führen und sogar kannibalistisch über „feindliche“ Stämme herfallen. Das nur am Rande und ja, die hier sind anders weil viral-genetische verändert 😉 )

  13. Naja, Zunächst einmal heisst der Film „Rise of the Planet of the Apes“. Der Originaltitel ist wieder einmal viel treffender. Und darum geht´s, also vordergründig um die Affen. Menschen sind Nebendarsteller. Vielleicht hätte man sie nicht so eindimensional gestalten sollen, aber bitte. Die Fortsetzung, und das wurde ja schon im Abspann angedeutet, wird auch noch Menschen betreffen. Die auf grausame Art von diesem Virus befallen werden, durch den Piloten. Es stimmt aber, dass sie da ja auch die Kurve wieder zu den Affen finden müssen und dafür muss eine verdammt gute Geschichte und ein solides Drehbuch her.

  14. Ich fand den erfrischend gut. Nach den mäßigen letzten Teilen der Original-Serie und nach dem furchtbaren Remake von Mr. Burton ist „Prevolution“ tatsächlich etwas frischer Wind und ein guter Start für eine mögliche neue Reihe der Affen-Saga.

    Man darf sicherlich auf Teil 2 hoffen. 😉

  15. … mag die alte Serie… konnte mich noch nicht durchringen zu den überpixelten Schauspielern… erinnere mich an 2001, wo die Affen nicht beoscart wurden, weil man sie für Affen hielt… so die Legende, jedenfalls… die Burtonvariante fand ich auch nicht so doll… erinnere mich nur noch an die leichtbekleidete junge Dame, die nicht redete… nee, nee… hab dann konsequenterweise erstmal Allen statt Affen gesehen.. bin echt unsicher, ob ich mich da durchprequälen will..

  16. 🙂 hach ja. Vielleicht bin ich für diese Art von Computeranimation nicht geschaffen. Mir war das zu echt und auch wieder zu unecht und insgesamt zu viel. Ist schwer zu beschreiben. Aber natürlich kann ich gut damit leben, dass Du das ganz anders siehst und sagst es gefällt Dir – ich will ja auch niemanden bekehren :))

  17. Tja, dank der Technik kann man nun noch mehr idealisieren und die Geschmäcker manipulieren, ist ja auch Sinn der Sache. Aber ich bin festen Glaubens – tatsächlich habe ich ihn noch nicht verloren, dass Du im Allgemeinen einen bodenständig schrägen Geschmack hast, also im Alltag immer fündig werden wirst :))

  18. In Burtons Version konnten die Menschen aber reden. Ich mag den – als einzige auf dieser Welt… :))
    Nee im ernst, angucken kann man dat Ding schon, wirkt zuerst auch ganz patent. Vielleicht hätte ich nicht ne Woche drüber nachdenken sollen

  19. Ich glaube ich warte auf die DVD :)) Ich werde immer lustloser ins Kino zu gehen, es gibt wenig neues, das wenige ist selten originell, und wenn dann ist es irgendwie schlecht ausgeführt. Und von Effekt- CGI und Motion Capture Orgien hab ich auch ziemlich die Schnauze voll.

  20. Ich mag CGI schon gerne, wenn es für richtige Fantasiefiguren eingesetzt wird, aber nicht um Menschen oder Tiere darzustellen. Ich stammle ja nicht umsonst hier so rum, es ist schwer in Worte zu fassen, was mich an diesem Film so stört. Vielleicht die Mischung aus Kunstfigur und echten Schauspielern, die mir hier zu nahe an der Realität ist. Schon interessant. Als Vollanimation (also Motion Capture wie Beowulf) wäre der Film mit Sicherheit völlig durchgefallen, aber zur Hälfte, also mit falschen Affen und echte Menschen lässt sich die Mehrheit viel schneller beeindrucken. Na egal. Wirklich schlecht ist er nicht und hat schon gruselig anmutende Szenen, aber ein Highlight ist er auch nicht.
    Vielleicht gefällt Dir ja „Attack The Block“. Den fand ich wirklich Klasse 🙂

  21. Hach Charles, da hat dich meine alberne Fassade echt nicht täuschen können ;). Mein Herz schlägt tatsächlich vor allem für Damen, die gedanklich/akademisch eigenständig sind, mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen und das auch noch mit einem eigenwilligen Humor verbinden. Da siehst du, warum ich mit 88 noch Single bin ;D.

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