EinJungfernhäutchenBitte

Hello Kitty Muss Sterben von Angela S. Choi

hellokittymustdieInhalt:
Fiona Yu könnte der Stolz ihrer Eltern sein, denn sie hat es (fast) geschafft. Sie ist dank ihres Studiums in Yale eine hochbezahlte Spitzenjuristin, sieht gut aus, hat einen teuren exquisiten Geschmack ist schlank, blass, eloquent, sammelt Bilder von Serienkillern – äh – und wohnt noch zu Hause. Fionas Vater will sie um jeden Preis unter die Haube bringen, Fiona hat es aber nicht so mit dem anderen Geschlecht (auch nicht mit dem eigenen) und überhaupt will sie einfach nur ihr Jungfernhäutchen loswerden, doch hat sie gar keins! In ihrer Panik, sich nicht entjungfern zu können, begibt sie sich schnurstracks zu einem Hymenspezialisten, der das wieder in Ordnung bringen soll, was sie nicht besitzt. Fi staunt nicht schlecht, als sie in dem Spezialarzt einen alten Schulfreund wiedererkennt und die Tatsache, dass er sich nahtlos in Fis Galerie zwischen Dahmer und Bundy einordnen ließe tut der Freundschaft in keinerlei Hinsicht einen Abbruch.

Fazit:
Na bitte geht doch. Zwar habe ich hier vorher auch nicht die Danksagung gelesen, kann aber verraten dass Chois Berater kein Geringerer ist als Robert Ressler,
der Mann fürs Serienkillen.
Man merkt diesem Buch mit jeder Silbe an, dass Angela S. Choi weiß von was sie spricht. Selbst Anwältin, Chinesin und in San Franzisko lebend, beschloss sie, praktisch im selben Alter wie ihre Protagonistin, Schriftstellerin zu werden.
„Hello Kitty Muss Sterben“ ist ein Stück rabenschwarzer Unterhaltungsliteratur. Bitterböse zieht Miss Choi über die chinesische Community, Anwälte, Konsumzwang und die amerikanische Gesellschaft her. Dies macht sie gekonnt kurzweilig ohne viel Längen und findet zum richtigen Zeitpunkt ein Ende.
Ihre Hauptdarstellerin Fiona ist alles andere als eine typische Chinesin im besten Heiratsalter. Eigentlich hat sie das auch schon überschritten, aber das ist Fi egal, denn sie macht sich weder was aus Männern, noch aus Sex und weiß aus Erfahrung, dass eine arrangierte chinesische Ehe in den USA nicht selten in Mord und Totschlag endet (wobei meist die Frau dran glauben muss), mindestens aber in absoluter Sklaverei und Kindergebärderei mit Hängebrust als Folge. Fi will das nicht. Sie fühlt sich in ihrem Zimmer bei Mom and Dad wohl, hat einen Wellensittich, der sie liebt, alles Geld der Welt und immer viele Stunden abzurechnen. Als Bildschirmschoner wechseln sich die berühmtesten Serienkiller der Geschichte ab und Fi bewundert deren Werk Gottes. Sie lebt in einem von der Familie auferlegten Mischmasch aus chinesischem Aberglauben und Katholizismus, liebt es von der Mutter bekocht zu werden und trägt Lippenstift, wenn ihr Vater es ihr aufträgt. Als sie durch verwegene Umstände auf ihren alten Grundschulfreund Sean trifft, verschmelzen zwei Seelen, wenn auch schwarze. Sean macht genau dass, wonach es Fi innerlich gelüstet und die beiden führen eine fast perfekte asexuelle Beziehung. Doch jeder muss mal sterben…
Bei aller Düsternheit der Geschichte überwiegt das Skurrile und ich kann nicht behaupten, dass ich Fi besonders unsympathisch fand. Im Gegenteil ihre Handlungsweise war auf ihre Art zutiefst logisch und nachvollziehbar, das ihres Freundes Sean weniger. Choi vermeidet es Einblicke in Seans Psyche zu geben. Warum er etwas tut ist für den Leser ebenso schleierhaft wie für Fi, die auch aus Selbsterhaltungstrieb an dieser Stelle niemals nachhakt. Aber letztendlich ist das auch nicht von belang, denn Sean ist nur der Wegbereiter und Ansporner für Fis zweite Karriere.
Insgesamt kann ich „Hello Kitty Mus Sterben“ wärmstens empfehlen.
Sehr kurzweilige bösartige Unterhaltung.
8-10

Hello Kitty muss sterben Titel der Originalausgabe: Hello Kitty must die Angela S. Choi Luchterhand Literaturverlag 285 Seiten
ISBN: 3630873391

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