Send Help von Sam Raimi

Linda Liddle schmeißt die Planungs- und Strategieabteilung von Preston Strategic Solutions. Keiner kennt sich hier so aus wie sie, die zugegebenermaßen mangelnde soziale Kompetenz hat. Nichtsdestotrotz wurde ihr vom gerade verstorbenen CEO die Vizepräsidentschaft versprochen. Doch das ist nun vom Tisch, denn sein Sohn und Nachfolger setzt lieber einen völlig inkompetenten Verbindungskumpel auf diesen Posten. Aber Linda bekommt eine Ehrenrunde bevor sie der neue CEO vor die Tür setzt und so darf sie für einen großen Deal in Thailand mit ins Flugzeug, das prompt in einem Sturm abstürzt. Gut, dass Linda überlebt und sich das jahrelange Training für eine Survivalshow gelohnt hat, schlecht, dass ausgerechnet ihr verhasster neuer Boss als einziger rettbar im Wasser treibt.
Ich gebe zu, das Sam Raimi mittlerweile auch ganz gerne auf Computergeneriertes, anstatt der guten alten Handarbeit zurückgreift und dass „Send Help“ scheinbar recht gefällig daherkommt, dennoch ist Raimi drin wo es draufsteht und er uns von der ersten Minute an voll in den Würgegriff nimmt. Er präsentiert uns mit seiner Hauptfigur Linda Liddle, eine Frau, die zwar fachliche Kompetenzen ohne Ende hat, was ihr ehemaliger Chef auch würdigen wollte, nach den sexistischen Regeln ihrer neuen männlichen Vorgesetzten allerdings weder optisch, noch verhaltenstechnisch in die Leitungsposition eines Strategiedienstleisters passt. Raimi kostet jede Peinlichkeit aus, setzt sie ins Closeup und stattet unsere Linda mit oberflächlich gesehen, unangenehmen Eigenschaften aus. Von der altbackenen Kleidung, die ihr ein schon leicht schlampiges Erscheinungsbild geben, über die selbstgemachten Thunfischsandwiches, die sie hastig zwischen der Arbeit am Schreibtisch verschlingt und sich mit Speiseresten im Gesicht vor den Boss stellt, der dann auf nichts anderes mehr achten kann oder ihre naiven Versuche sich in die sozialen Aktivitäten ihrer Kollegen mit einzuklinken. Es gibt einen Fremdschämmoment nach dem anderen. Uns dürfte allen klar sein, dass das nicht wirklich an Linda liegt, die voll und ganz hinter dem steht, was sie tut, sondern an der Gesellschaft um sie herum, die einfach keinen Platz für das Anderssein hat und dessen Qualitäten nicht erkennt. So kommt es dann, dass Linda weiß wie man in einer Notsituation überlebt. Sie kann Frischwasser gewinnen, kennt sich mit giftiger Botanik aus, beherrscht drei gängige Methoden des Feuermachens und kann ihren schwer verletzten Chef retten und wieder auf die Beine bringen. Der kann auf der anderen Seite nur jammern und meckern und will nichts mehr als vom Eiland flüchten, auf dem die beiden nach einem Flugzeugabsturz gelandet sind. Natürlich ist klar, dass Raimi uns fortan kein „Sechs Tage, sieben Nächte“ liefert, sondern vielmehr eine toxische Beziehung, die den ein oder anderen Ekelmoment zulässt, gut twistet und umstritten abschließt. Ich fand es toll wie uneitel Rachel McAdams jede schiefe Kameraeinstellung, jedes Hervorheben eines Leberflecks oder Schwäche über sich ergehen ließ, kannte ich sie bislang mehrheitlich aus braven Rollen. Davon abgesehen scheint die Frau null zu altern. In ihrer Rolle erträgt sie jede Demütigung, bleibt positiv und zielorientiert, doch der Schein trügt. Ob der Schluss nun so hätte sein sollen wie er geworden ist, lasse ich mal so im Raum stehen; es ist eine Farce, mir hat der Streifen Freude bereitet und ich habe viel gelacht. Davon abgesehen ist Dylan O’Brien das perfekte Opfer, als wäre er dafür geboren.

Directed by Sam Raimi • Written by Damian Shannon, Mark Swift • Produced by Sam Raimi, Zainab Azizi • Starring: Rachel McAdams, Dylan O’Brien, Edyll Ismail, Xavier Samuel, Chris Pang, Dennis Haysbert • Cinematography Bill Pope • Edited by Bob Murawski • Music by Danny Elfman • Production company: Raimi Productions • Distributed by 20th Century Studios • Release dates: January 21, 2026 (TCL Chinese Theatre), January 30, 2026 (United States) • Running time 115 minutes • Country United States • Language English • Budget $40 million • Box office $28.1 million
• UCI Luxe Potsdam • 29.01.2026 • 20.30 Uhr • Kino 8 •
Trailer:
They Will Kill You von Kirill Sokolov
Thriller mit Zazie Beetz. Sieht okay aus. Mal sehen.
The Bride! Von Maggie Gyllenhaal
Ich kann es kaum erwarten und ich glaube fest, dass er anders ist, im positivsten Sinn. Leider erst im März sehbar.
Der Teufel Trägt Prada 2 von David Frankel
Ja natürlich, schon aus Prinzip.
Ready or Not 2: Here I Come von Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett
Wahrscheinlich gehe ich rein, auch wenn die Geschichte offensichtlich bis zum Exzess ausgeschlachtet wird.
Is This Thing On? von Bradley Cooper
Tssse. Ich weiß nicht. Zwar ist er mit der wundervollen Laura Dern, Will Arnett finde ich aber problematisch, Cooper auch.
Crime 101 von Bart Layton
Ich mochte American Animals und mag Barry Keoghan, weiß aber nicht, ob das für einen guten Film reicht.
Return To Silent Hill von Christophe Gans
Keine Chance. Sieht ranzig aus und ich mochte den ersten schon nicht.
Disclosure Day von Steven Spielberg
SF von Spielberg ist wohl keine Frage, auch wenns Mainstream Popkornkino sein wird.
Scream 7 von Kevin Williamson
Joa, irgendwann sicher, aber mal sehen.
Cold Storage von Jonny Campbell
Wie Disclosure Day auch hier das Drehbuch von David Koepp und der Trailer war gut, also ja, werde ich ansehen.
Good Luck, Have Fun, Don’t Die von Gore Verbinski
Ja! Blindes Vertrauen zu Verbinski und Rockwell!

NurZuTrauDich!