AlteLadys,Gedankenkontrolle,UnseligeEngel,StaubigeHäschenUndPsychopuppen





Crazy Old Lady von Martín Mauregui
Eigentlich hat Pedro nichts mehr mit Seniorin Alicia am Hut, doch seine Ex bettelt ihn nach ihrer Mutter zu sehen, die dement ist und deren Pflegerin gegangen zu sein scheint. Sie selbst ist gerade etliche hunderte Kilometer mit dem Auto entfernt und macht sich Sorgen, weil sie Alicia ständig anruft und nach immer wieder dem gleichen Rezept fragt. Pedro opfert sich und wird diese Entscheidung sehr bereuen, denn Alicia ist in Höchstform, in ihrer gewalttätigen Vergangenheit gefangen und glaubt Pedro wäre ihr erster Ehemann. Doch niemand kennt oder weiß von diesem Typen; aus gutem Grund.
Dieser verstörende Spanier machte den Auftakt der diesjährigen Fantasy Filmfest White Nights und ich kann nicht sagen, dass er mir nicht gefallen hätte. In der Hauptrolle dieses Kammerspiels sehen wir die Schauspielikone Carmen Maurer, wie immer mutig und voll aufgedreht. Ob Demenz- , Altersdrama oder reiner Horror, bei dem die Schatten der Vergangenheit, diese außergewöhnliche Seniorin heimsuchen, hier leidet noch eine Generation, die unter Diktatur und Militärjunta litt und mit ihren Problemen alleine gelassen wurde. Dabei wird eine toxische und vor allem tödliche Beziehung aufgedeckt, in der einer der beiden den Notknopf gedrückt hat und weggegangen ist. Und nun Jahrzehnte später wird eine Pille weggelassen und die Demenzepisode lässt die Teufelin los.
Armer Pedro, armer Spatz. Interessanter Schluss. Kann man gut sehen.

Spanish Vieja loca • Directed by Martín Mauregui • Screenplay by Martín Mauregui • Produced by J.A. Bayona, Belén Atienza, Gabriela Carcova Krichmar, Ramón Campos, Víctor Fandiño • Starring: Carmen Maura, Daniel Hendler • Cinematography Julián Apezteguía • Edited by Guillermo de la Cal, Andrés Pepe Estrada • Music by Pedro Osuna • Production companies: La Trini, Primo, Mr. Field and Friends, Bambú Producciones, La Unión de los Ríos • Distributed byDeAPlaneta (Spain), Shudder (United States) • Release dates 21 September 2025 (Fantastic Fest), 10 October 2025 (Spain) • Countries Spain, Argentina, United States • Language Spanish
• 9. Fantasy Filmfest White Nights • Zoo Palast • Kino 2 • 24.01.2026 • 13.00 Uhr •
Every Heavy Thing von Mickey Reece
Frauen verschwinden und alles deutet auf einen Serienkiller, das denkt auch Joe, der bei einer Zeitung für die Anzeigenaquise zuständig ist. Doch als seine neue Kollegin in dem Fall zu recherchieren beginnt, wird Joe zu unfreiwilligen Komplizen, denn er trifft auf den Killer, doch lässt ihn gehen, weil er um sein Leben fürchten muss und der Mörder jeden Schritt Joes kennt.
Herrje. Dem Kinofreund hats gefallen, für mich war das nur eine krude Mischung aus optischen Achtziger-Jahre-Effekten und einem gerade noch B-, wenn nicht C-Movie. Ehrlich gesagt habe ich in besagtem Jahrzehnt vielleicht zu viel solchen Trashs gesehen, als ihn jetzt noch gut zu finden, zumal hier über zu viel Zeit viel zu wenig Story erzählt wird, die nachher noch (ungewollt) komisch wird. Die Geschichte aus Serienkiller gepaart mit Gedankenkontrolle, möglicher Verschwörung und einer seltsamen Liebe findet man in absehbarer Zeit sicherlich auf Tele5, LGTV oder Plex und wer auf Barbara Crampton gesetzt hat, den muss ich enttäuschen, denn auf eine sehr kurze Playbacknummer folgt unverzüglich, der explosive Tod. Der Film ist von einer und für eine andere Generation gemacht, die total auf diesen Retrochic steht.
Lohnt sich wirklich nicht.

film Every Heavy Thing (USA 2025) • regie Mickey Reece • darsteller Josh Fadem, James Urbaniak, Tipper Newton, John Ennis, Barbara Crampton, Ben Hall, Vera Drew • drehbuch Mickey Reece • produzent John Moss, David Boss, Juan Pablo Reinoso, Kassie Gann, Peter Kuplowsky, Andrew Appleyard • kontakt Firebook Entertainment • dauer 89 min • sprachfassung englische OV
• 9. Fantasy Filmfest White Nights • Zoo Palast • Kino 2 • 24.01.2026 • 15.00 Uhr •
The Holy Boy von Paolo Strippoli
Judoka-Star Sergio nimmt eine Aushilfsstelle als Lehrer im kleinen aber sehr glücklichen Dorf Remis an. Alle sind zufrieden und freundlich, so scheint es, aber Sergio trägt eine schwere Last und ist sehr unglücklich, doch niemand erträgt es hier, wenn Sergio weint und trauert, im Gegenteil, die hübsche Barkeeperin erliegt fast ihrem körperlichen Schmerz, als Sergio in ihrem Auto trauert und bringt ihn zu jemanden, der ihn mit einer Umarmung von seinem Leid erlöst, Matteo. Wie es aussieht „behandelt der Teenager Matteo die ganze Stadt mit Glückseligkeit, auch weil sein Vater ihm keine andere Möglichkeit gibt. Sergio ist das nicht geheuer und er geht der Sache auf den Grund.
The Valley of Smiles wie dieser italienische Beitrag im Original heißt, ist für mich eine echte Mystery-Perle, bei der man vermutet und spekuliert, aber letztendlich nicht das bekommt, was uns der Mainstream immer liefert. Strippoli gibt uns hier eine komplexe Geschichte, in der es keine Guten oder Bösen gibt; er wirft uns in eine kleine Gesellschaft, die emotional voneinander abhängig ist, weil die Menschen ihren Schmerz, vielleicht auch ihre Schuldgefühle, nicht alleine verkraften können und einen Weg gefunden haben, sich zu befreien. Hauptfigur Sergio wird dabei unfreiwillig vereinnahmt, versucht sich zu befreien und alle anderen dazu. Doch mit der Schuld und auch dem sich selbst vergeben ist das immer so eine Sache, noch dazu, wenn sich der Heilsbringer als etwas anderes entpuppt. Strippoli schickt uns zwei Stunden durch eine Achterbahn der Gefühle. Es geht auf und ab und mündet in einer womöglich vernünftigen Entscheidung.

Italian La valle dei sorrisi • Directed by Paolo Strippoli • Written by Jacopo Del Giudice, Paolo Strippoli, Milo Tissone • Produced by Laura Paolucci [it], Ines Vasiljević, Stefano Sardo [it], Domenico Procacci, Jožko Rutar, Miha Černec • Starring Michele Riondino, Giulio Feltri, Paolo Pierobon [it], Romana Maggiora Vergano • Cinematography Cristiano Di Nicola • Edited by Federico Palmerini • Music by Federico Bisozzi, Davide Tomat • Production companies: Fandango, Nightswim, Spok Films, Vision Distribution • Distributed by Vision Distribution • Release dates 30 August 2025 (Venice, 17 September 2025 (Italy) • Running time 122 minutes • Countries Italy, Slovenia • Language Italian
• 9. Fantasy Filmfest White Nights • Zoo Palast • Kino 2 • 24.01.2026 • 17.00 Uhr •
Dust Bunny von Bryan Fuller
Die achtjährige Aurora lebt mit ihren Eltern in einem heruntergekommenen Art- Déco-Wohnkomplex am Rande von New Yorks Chinatown und der mysteröse Nachbar aus der 5B gegenüber hat es ihr angetan. Jede Nacht beobachtet sie sein Kommen und Gehen, folgt ihm eines nachts und beobachtet wie er einen Drachen erlegt. Tatsächlich tötet 5b ein paar Gangmitglieder, die sich unter dem Drachenkostüm verstecken, aber das Kind ist in den Brunnen gefallen und für Aurora ist 5b nun der Mann, der das Monster unter ihrem Bett töten soll, das in der Nacht zuvor ihre Eltern umgebracht hat.
Es ist keine Voraussetzung Werke wie „Pushing Daisies“ oder „Die fabelhafte Welt der Amélie“ zu kennen, jedoch tut man das, weiß man was auf einen zukommt, nämlich ein prächtig ausgestattetes farbenfrohes Set mit allerlei Skurrilitäten, eine fantasievolle Protagonistin und totales Gefühlschaos. Hier hat ist jedes Detail mit Liebe ausgesucht und hat seinen Sinn, unsere Aurora kann nerven ohne nervig zu sein und 5b schwankt zwischen Amüsement und der Annahme am Dilemma des Mädchens Schuld zu sein. Die ist voller Angst vor einem Monster, dass unter ihrem Bett wohnt und sie töten will, aber womöglich ihre ungläubigen Eltern erwischt hat. Master and Servant; doch dann wird 5b in die Welt der Aurora hineingezogen und mit ihm seine Probleme, die auch irgendwie ihre sind und die letztendlich von beiden gleichermaßen gelöst werden und uns eine fabelhafte Mär bescheren, die sich chaotisch, aber auch warm und kuschelig anfühlt. Das ist das einzig wahre Kino.

Directed by Bryan Fuller • Written by Bryan Fuller • Produced by Basil Iwanyk, Erica Lee, Bryan Fuller • Starring :Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sheila Atim, David Dastmalchian, Sigourney Weaver • Cinematography Nicole Hirsch Whitaker • Edited by Lisa Lassek • Music by Isabella Summers • Production companies: eOne Films, Thunder Road Pictures, Living Dead Guy Productions • Distributed by Lionsgate, Roadside Attractions • Release dates September 9, 2025 (TIFF), December 12, 2025 (United States) • Running time 106 minutes • Country United States • Language English • Box office $1 million
• 9. Fantasy Filmfest White Nights • Zoo Palast • Kino 2 • 24.01.2026 • 19.30 Uhr •
Dolly von Rod Blackhurst
Chase hat sich alles vorbereitet, an einem abgelegenen Aussichtspunkt in den Wäldern Tennessees will er seiner Freundin Macy einen Heiratsantrag machen. Aber schon auf dem Pfad dorthin stößt das Paar auf eine mysteriöse Ansammlung von Porzellanpuppen und als Chase vor seiner Angebeteten auf die Knie gehen will, wird er von einem Geräusch aus dem Gestrüpp gestoppt: Die große mit Porzellangesicht maskierte Dolly schlägt Chase nieder und als Macy nach ihm sucht, wird sie von Dolly gegriffen, um sie fortan wie ihr eigenes Baby bei sich zu haben.
Natürlich gibt es auch für Super-16mm-Analogmaterial Filme mit körnigen siebziger Jahre Look und dem Versprechen so etwas wie ein neues TCM zu sein, dankbare Abnehmer und vielleicht saß davon der ein oder andere bei uns im Kino, aber so viel sei gesagt, ich gehöre nicht dazu. Vielleicht haben sich einfach schon zu viele Streifen daran versucht und wurden von mir auf dem ein oder anderen Fantasy Filmfest gesehen, manche mit neuen Ideen, andere nicht so. „Dolly“ gehört für mich zu den eher nicht so lohnenden Werken, bei denen es einfach nicht ausreicht eine Wrestlerin in einen Weihnachtsmanstrampelanzug und mit Porzellanmaske durch den Wald stampfen zu lassen und in einem völlig ungeklärten Szenario zufällig auftauchende Leute zu meucheln. Natürlich stellt man keine Fragen wie: Woher kommen all die Puppen und wer hat sie aufgestellt, wie schafft eine so plumpe Person das aufwendige Kerzen-Puppen-Szenario im Keller zu gestalten und bei Laune zu halten und ist gleichzeitig und immer auch da wo jemand fast erfolgreich dabei ist zu flüchten oder wer geht für solche Hinterwäldler in den Supermarkt, um sie so gut im Fleisch zu halten? Fragen, die keiner stellt. Aber neben der langweiligen Story, gibt es durchaus lustige Momente mit Chase mit ohne Unterkiefer oder dem gut gemeinten Versuch das Opfer zu stillen. Nichtsdestotrotz ist es kein guter Film und ich hätte gehen sollen. So bin ich um eine Erfahrung reicher.

film Dolly (USA 2025) • regie Rod Blackhurst • darsteller Fabianne Therese, Seann William Scott, Ethan Suplee, Max the Impaler • drehbuch Rod Blackhurst, Brandon Weavil • produzent Ross O’Connor, Rod Blackhurst, Noah Lang, Isaiah Smallman, Bryce McGuire, Joseph C Grano, Betty Tong, Esteban Sanchez, Fabianne Therese, Seann William Scott, Ethan Suplee • kontakt Blue Finch Film Releasing • dauer 83 min • sprachfassung englische OV
• 9. Fantasy Filmfest White Nights • Zoo Palast • Kino 2 • 24.01.2026 • 21.45 Uhr •

NurZuTrauDich!