DasSchwereFamilienerbe

Megalomaniac von Karim Ouelhaj

film
Megalomaniac (Belgien 2022)
regie
Karim Ouelhaj
darsteller
Éline Schumacher, Wim Willaert, Benjamin Ramon, Pierre Nisse, Raphaëlle Bruneau, Hélène Moor
drehbuch
Karim Ouelhaj
produzent
Florence Saâdi, Nicolas George, Karim Ouelhaj
Editing
Karim Ouelhaj
Cinematography
François Schmitt
verleih
Indeed Film
dauer
100 min
sprachfassung
französische OmeU

Zwischen Januar 1996 und Juli 1997 ermordete der sogenannte Metzger von Mons fünf Frauen in der Nähe der belgischen Stadt Mons. Der Serienmörder, der bis heute auf freiem Fuß ist, ist der Vater Felix und Marthas, die beide in seinem baufälligen Haus leben. Während Sohn Félix in die Fußstapfen seines Vaters tritt, wird Tochter Martha selbst Opfer von Gewalt.


Ich muss zugeben, ich war extrem misstrauisch, ob ich mit dem Film etwas anfangen kann, aber er hat mir gefallen. Inspiriert von dem wahren Fall des „Metzgers von Mons“, spinnt Ouelhaj die Geschichte hier weiter. Gibt dem Verbrecher zwei Kinder zur Hand, die nach seinem möglichen Ableben, weiter in seinem Haus leben. Der ältere Felix setzt das „Werk“ seines Vaters fort und tötet und zerstückelt Frauen, kümmert sich aber auch um seine Schwester Martha, die nicht so ganz helle ist und auch durch eine Sozialarbeiterin betreut wird. Um den Schein eines ordentlichen Lebens zu wahren arbeitet Martha in einer Fabrik als Putzfrau. Doch sie wird von den Männern dort drangsaliert und gedemütigt, später regelmäßig vergewaltigt, verliert darüber aber kein Wort gegenüber Felix, der aber merkt, dass etwas nicht stimmt. Beide, Felix und Martha können ihrer Prägung durch die Gewalt des Vaters nicht entfliehen, Felix direkt, aber auch Martha sehnt sich nach „etwas für sich“ sie bettelt Felix an, bis er ihr trotz Risikofaktor nachgibt und ihr ein „Spielzeug“ schenkt. Es kommt nicht so ganz klar rüber, ob Martha genau weiß, was Felix macht, es gibt Szenen, in denen sie ihn ausspioniert und die einzigen beiden Räume des großen Hauses, die sie nicht betreten darf durchsucht, aber sie selbst hat genauso dunkle Fantasien. Die „Kinder“ sind Opfer und Täter, Martha durchlebt jedoch ein echtes Martyrium, aber auch einen Lichtblick, denn bald wird sie ihre Familie vergrößern und der Gedanke behagt ihr.
Ouelhaj liefert uns viel Schlamm, Blut, Symbolik und schäbige Bilder; aus diesem Wust muss man sich den Kern der Geschichte herausziehen und ordentlich abspülen, dann bleibt ein Drama, dass nicht über seine Figuren richtet. Ich denke es geht vielmehr um Gewalt gegen Frauen, was offensichtlich ist, aber auch um die immer wiederkehrende Thema, ob wir nur das Produkt unserer Eltern sind; sie unser Schicksal bestimmen, aus dem wir uns nicht entziehen können. Wie Ouelhaj das aufbereitet ist wahrlich nicht jedermanns Sache und zuweilen anspruchsvoll und auch wenn mir diese Abbruchhäuser in den letzten Jahren zu inflationär eingesetzt wurden, passt es hier ziemlich gut ins Gesamtkonzept. „Megalomaniac“ ist ein schwieriger, sperriger Film, aber richtig gut gespielt und mich ansprechend. Sehr empfindliche Gemüter sollten es sich aber gut überlegen, ob sie ihn ansehen mögen.

 • 09.09.2022 • 36. Fantasy Filmfest  • Kino in der Kulturbrauerei • Kino 3 •

NurZuTrauDich!

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