EinTotgeglaubterUndDerKampfUmEinFjord

Taboo S1 von Steven Knight, Tom Hardy, Chips Hardy für BBC One

Created by Steven Knight, Tom Hardy, Chips Hardy
Written by  Steven Knight
Directed by  Kristoffer Nyholm, Anders Engström
Starring  Tom Hardy, Leo Bill, Jessie Buckley, Oona Chaplin, Mark Gatiss, Tom Hollander, Stephen Graham, Jefferson Hall, David Hayman, Ed Hogg, Michael Kelly, Jonathan Pryce, Jason Watkins, Nicholas Woodeson
Composer Max Richter
Country of origin United Kingdom
Original language English
No. of series 1, No. of episodes 8
Executive producers : Tom Hardy, Ridley Scott, Liza Marshall, Kate Crowe, Dean Baker, Steven Knight, Tom Lesinski
Producers  Tim Bricknell
Cinematography Mark Patten
Editors  Serkan Nihat, Matt Platts-Mills, Guy Bensley, Kate Weiland, Jason Krascucki, Beverly Mills
Running time 56–58 minutes
Production companies  Scott Free London, Hardy Son & Baker
Distributor BBC (UK), Sonar Entertainment (non-US)
Release Original network BBC One
Picture format 1080i (16:9 HDTV)
Audio format Dolby Digital 5.1
Original release 7 January – 25 February 2017

Als 1814 Horace Delaney das Zeitliche segnet, hält sich das Bedauern der Londoner Trauergäste in Grenzen, war der Alte doch angeblich geisteskrank, unbeliebt war er allemal und verschuldet. Doch eine größere Überraschung erwartet die Trauergemeinde als John Delaney die Kirche betritt, der längst totgeglaubte Sohn Horaces – und sein Alleinerbe. Schön für John, der in den letzten zehn Jahren eine Menge durchgemacht hat, schlecht für Johns Halbschwester Zilpha und deren Ehemann Thorne, die auf die Erbschaft bauten, auch schlecht für die East India Company, die es auf ein Stück Land aus Horace Besitz abgesehen haben, dass für sie als Britisches Unternehmen von erheblicher politischer Bedeutung ist.


Mit ein paar Jahren Verspätung und der Pistole auf der Brust, weil Amazon die Serie aus dem Programm nahm, nun doch „Taboo“. Ich meine, ich wollte  die Serie immer sehen, aber irgendwie hatte ich auch Angst, dass sie blöd ist und Tom Hardys Ansehen bei mir ins Bodenlose fällt. Ich meine, ein paar Gurken hat er schon hingelegt, nichtsdestotrotz. Umso glücklicher bin ich nun nach 8 Folgen der ersten und womöglich einzigen Staffel, dass sich die Serie wirklich gelohnt hat. Meine Höchstwertung setzt sich dabei über einige Schwächen hinweg, die unter anderem auch zwei Darstellerinnen betrifft und die für meinen Geschmack so reibungslos aufgehenden Planungen unseres Protagonisten; aber gut, wenn Vater und Sohn eine Serie nach ihrem Gusto gestalten, kann sowas schon mal passieren. Tom Hardy spielt in „Taboo“ selbstredend die Hauptrolle den irgendwas in den Dreißigern Sohn eines Geschäftsmannes, der scheinbar seinen Verstand verloren hatte und ihn im Sterben zu sich gerufen hat. Was mit dem alten Horace so wirklich los war bleibt etwas im Trüben, aber um der Sache etwas Mystik zu verleihen: irgendwie standen Vater und Sohn geistig in Verbindung wie John auch mit seiner Schwester und seiner toten Mutter, die eine Indigene aus Amerika war, in Verbindung steht, was irgendwas mit seltsamen Pulvern und noch seltsameren Sprachen in nackt gesprochen zu tun hat.  John nun, steht auf einmal pünktlich zur Beerdigung seines Vaters auf der Matte, was alle sehr verwunderte, denn eigentlich sollte er mit einem Schiff der Ost-Indien-Company untergegangen und tot sein. Zum Leidwesen aller ist er das absolut nicht und hat auch noch genug finanzielle Mittel, um die Schulden des Vaters zu bezahlen und genüsslich die nicht ganz preiswerte Rache an der Ost-Indien-Kompanie und im Besonderen an deren Oberhaupt Sir Stuart Strange zu nehmen. Nun muss man dazu sagen, dass selbige Ost-Indien-Kompanie zu jener Zeit Gott war, weltweit und sich alles unter den Nagel riss, ob Handel, Geld, Macht oder Land, mit zutiefst unlauteren und unehrenhaften Mitteln. Auch machte Sir Stuart Strange gerne Geschäfte zum eigenen Vorteil und handelte mit Sklaven, was damals bereits verboten war. Auf einem solchen Sklavenschiff hätte John eigentlich auch draufgehen sollen, aber er überlebte als einziger, nicht ohne sich eine schweren Schuld aufgeladen zu haben. Der arme John Delaney nagt an so manchem, seinem eigenen Wahnsinn, dem der Mutter und des Vaters, der sie in ein Irrenhaus brachte und selbst irgendwann am Rad drehte, seiner Leidenschaft für die eigenen Schwester und natürlich seinem Hass auf die Ost-Indien-Kompanie und Sir Stuart Strange. Nach und nach erfahren wir verschwommen, was John auf dem Schiff Stranges zustieß, sie unter wechselnder Flagge Sklaven nach Amerika verschifften und untergingen und er unter dem Befehl Stranges die Sklaven einsperrte und zum Sterben verurteilte als das Schiff unterging. Was danach passierte erfahren wir nicht, nur dass er gut zehn Jahre in Afrika lebte, schlimme Dinge tat und mit viel Geld und Diamanten zurückkehrte. Zentrales Thema der Serie ist daneben das Stück Land, dass Johns Vater den Indigenen abkaufte, samt Frau und dass nun zum Politikum zwischen den Kriegsparteien Großbritannien und der USA wird. Dieses Land, der Fjord Nootka Sound, liegt so vor Vancouver Island, dass sein Besitz auch Vancouver Island sichert und den freien Handel mit China. Natürlich ist die Ost-Indien-Kompanie extrem scharf darauf, aber auch der „Feind“ die USA will das Land. London ist voller Spione und so nutzt John das Hickhack der Staaten und der Ost-Indien-Kompanie für sich aus und führt letztendlich alle aufs Glatteis. Das macht John Delaney aka Tom Hardy mehr grunzend, als sprechend, gibt sich macho und ist ganzkörpertätowiert wie man zu jeder Gelegenheit sehen kann, denn Unterwäsche gab es damals nicht so für Männer, vielleicht für aufgeblasene Aristokraten wie den Prinzregenten Georg IV, hier mit absolut wunderbarer und gelungener Maske von Mark Gatiss verkörpert wird. Und das ist auch ein großer Pluspunkt der Serie, sie schönt nicht. London ist ein dreckiger Schlammpfuhl und die von außen so schönen Herrenhäuser sind drinnen doch eher bescheiden, kalt und nass wie die Gasthäuser und Küchen uns wahrscheinlich in Beerenesser verwandeln würden. Unbeschreibliches wird da im Dreck stehend in den Töpfen zusammengerührt, man mag nicht hinsehen und sich auch nicht ausmahlen wie es schmeckte. Franka Potente durfte hier auch mitspielen und es ist kein Geheimnis, dass ich sie nicht mag und völlig untalentiert finde. Sie kann einfach nicht spielen und sprechen schon gar nicht, egal, denn da konnte sie sich mit der zweiten wichtigeren weiblichen Rolle zusammentun: Zilpha Geary, gespielt von Oona Chaplin, die in Langeweile ihrer Mutter das Wasser reichen kann, den Mangel an Ausdruck ebenfalls. Schade, zwei gute Rollen fehlbesetzt. Aber was solls, dafür haben wir sonst wirklich nur richtig tolle Darsteller wie Tom Hollander; der kleine Mann darf Cholmondeley spielen, einen zwielichtigen, aber grundsympathischen Chemiker und Doktor, der zu einem von Johns Weggefährten aufsteigt oder die wunderbare Jessie Buckley, die hier die Schauspielerin Lorna Bow (Delaney) und letzte Ehefrau Johns Vater Horace spielt und sich seine Achtung verdient oder David Hayman als Hausdiener und gute Seele der Delaneys, Brace; nicht zu vergessen Jonathan Pryce als korrupter und hochnäsiger Sir Stuart Strange.
Und natürlich kann man am Ende der achten Folge der ersten Staffel keinesfalls sagen, dass hier irgendwas abgeschlossen wäre, außer der Rechnung mit Stuart Strange, womit wir wieder beim Anfang wären, denn eigentlich wurde eine zweite Staffel vor Jahren in Auftrag gegeben, aber ein Gemisch aus Terminschwierigkeiten der Beteiligten und der Pandemie bremste das Projekt bis heute aus. Nicht daran zu denken, dass man über eine zweite Staffel ohne Hardy nachdachte, aber es soll Pläne geben. Nun ja. Wird jemals weitergedreht, bin ich dabei, also als Anseherin. 

 

 

6 Gedanken zu „EinTotgeglaubterUndDerKampfUmEinFjord“

  1. Woah… krass. Um die Serie schleiche ich ja auch schon echt lange herum. Allein schon wegen Tom Hardy, aber wenn der Rest dann auch noch so gut ist, dann wandert die jetzt mal etwas höher auf meiner Prio-Liste 😅

  2. Man kann kaum glauben, dass die Serie hierzulande ihre (mindestens TV-) Premiere bei RTL II feierte 😀 Ich war damals nicht ganz so euphorisch und gab ihr nur eine 7/10 und im Kopf ich mir davon fast gar nichts mehr geblieben.

    Eine zweite Staffel würde ich aber trotzdem auch nehmen!

    1. Ja stimmt, die lief auch im TV, aber da hatte ich seinerzeit keine Lust drauf. Wie man sie für sich beurteilt, ist natürlich Geschmacksache, aber sie ist schon sehr aufwändig und gut gemacht. Und wenn dann zwei Hardy Fans vor der Glotze sitzen ist das Ergebnis immer etwas anders, als guckte man die Serie alleine :))

  3. Bei mir liegt es nun schon eine Weile zurück, dass ich die Mini-Serie gesehen habe, ich konnte mich – ehrlich gesagt – kaum noch daran erinnern. Wofür hat man aber diesen Blog? 😃 Also mir hat sie auch gefallen, Dir hat sie aber offensichtlich noch besser gefallen und das trotz Potente.

NurZuTrauDich!

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