BlaueRose,giftigerMaisbreiUndEinHerzFürDougie

Twin Peaks: The Return von David Lynch

Created by Mark Frost, David Lynch
Written by Mark Frost, David Lynch
Directed by David Lynch
Starring Kyle MacLachlan, Laura Dern, David, Lynch, Naomi Watts, Miguel Ferrer, Tim Roth, Jennifer Jason Leigh
Opening theme „Falling (Twin Peaks Theme)“
Composer(s) Angelo Badalamenti, Dean Hurley
Country of origin United States
Original language(s) English
No. of seasons 1, No. of episodes 18 (list of episodes)
Production Executive producer(s) Mark Frost, David Lynch, Sabrina S. Sutherland
Production location(s) Washington, California, Paris, France
Cinematography Peter Deming
Editor(s) Duwayne Dunham
Running time 53–60 minutes
Production company(s) Rancho Rosa Partnership Production, Lynch/Frost Production
Distributor Showtime Networks CBS Television Distribution
Release Original network Showtime
Original release May 21 – September 3, 2017
Chronology Preceded by  Twin Peaks (1990–91), Twin Peaks: Fire Walk with Me (1992 film)

Seit 25 Jahren ist Agent Dale Cooper nunmehr in der Black Lodge gefangen und er kann nicht zurückkehren, solange sein böser Doppelgänger eingefangen und zurückgebracht wurde. Der ist clever und ahnt was ihm blüht, entgeht jedem Versuch ihn zu überführen und versucht alle Möglichkeiten ihn in die Black Lodge zu bringen zu eliminieren.
Unterdes erhält Deputy Chief Hawk einen wichtigen Hinweis vom Holzscheit im Zusammenhang mit Coopers verschwinden; die Polizei von Buckhorn findet den Kopf der Bibliothekarin Ruth Davenport auf dem Körper eines Unbekannten; Deputy Director Gordon Cole macht sich auf einem neuen Hinweis nach Cooper zu folgen, während der bereits als Dougie sehr eingeschränkt, aber mit Ehefrau und Sohn wieder unter uns weilt.

Alles eine Frage der Elektrizität

Kaum zu glauben, dass es über 25 Jahre her ist, dass die Serie im Fernsehen lief und wie ich im Nachhinein erfahren habe, habe ich die letzten vier Folgen der zweiten Staffel nie gesehen, weil sie nie liefen. Räusper das werde ich vielleicht mal nachholen, aber soweit ich mich erinnere, musste ich mich ohnehin etwas durchkämpfen, einfach weil sie total langweilig war.
Aber gut, ein viertel Jahrhundert später, neues Glück mit gleichen Spielern und sage und schreibe 18 neuen Folgen. Wie immer bin ich auch hier ins kalte Wasser gesprungen, denn ich habe vorher nie darauf geachtet wie viele Folgen dieser „Return“ hat und bereits nach vier Folgen und somit vier Stunden Lynch-O-Rama habe ich schwer überlegt, ob ich das durchstehen kann. Dann näherten wir uns der achten Folge, die nur mit ein paar Bier plus bewusstseinserweiternder Drogen zu genießen war und danach, man glaube es oder nicht, war das Vögelchen entfleucht und ich konnte beschwingt weitergucken ohne meine Finger in die Steckdose zu halten und mich zu fragen, ob ich es bin oder meine böse Doublette.
Aber worum geht es eigentlich? Das kann man bei Lynch nicht wirklich mit Klarheit sagen und wer sich anmaßt hier frei zu interpretieren, wird zwangsläufig auf dem Bauch landen, denn nur der Meister weiß, was wir nie erfahren werden oder nur in Bruchstücken ohne das Große Ganze zu erfassen.
Egal. Lynch hat hier einmal sein Telefonbuch rauf und runter beschäftigt und wirklich jeder, der ihm am Herzen liegt eingespannt, sogar die bei den Dreharbeiten bereits im sterben liegende Catherine E. Coulson, die Lynch wirklich sehr mochte.
Erzählt wird die Geschichte Dale Cooper, der ja seit 25 Jahren in der schwarzen (oder war es die weiße?) Hütte gefangen ist, denn seine böse Kopie wandelt in der echten Welt und ohne, dass die zurück in die schwarze Hütte (nun aber wirklich) zurückgebracht wird, geht für Cooper gar nichts. Doch Regeln sind zum Brechen da und so lebt im wahrscheinlichen Hier und Jetzt noch ein weiterer Cooper als Lockvogel für den Bösen, heißt aber Dougie Jones, ist Versicherungsvertreter und hat Frau und Kind und einen Haufen Schulden. Irgendwie kann Cooper mit ein paar spacigen Tricks und der Hilfe einer Steckdose in Dougie transformieren, doch dessen Geist ist schwach und Coopers Funktionen bleiben sehr beschränkt, was aber im Verlauf der 18 Stunden niemanden wirklich etwas ausmacht, da in Vegas jeder Verständnis mit Menschen mit Handicap hat und Ehefrau Janey-E feststellt, dass Dougie irgendwie viel athletischer und sexier ist als noch vor Kurzem. So gibt Cooper als Dougie sein bestes und vor allem versucht er mit seinem tumben Körper seine böse Kopie zu finden und zu vernichten. Der ist wiederum voll auf Zack und setzt alle Hebel in Bewegung, um Dougie und alle, die ihn fangen wollen aus dem Weg zu räumen.
Hier muss ich mal kurz reingrätschen, denn ein 18 Stunden Film wie dieser bietet natürlich vielen Personen und Darstellern Platz und ich möchte an dieser Stelle Naomi Watts als Dougies Ehefrau, Jim Belushi als Bradley Mitchum, Robert Knepper als Rodney Mitchum, Tim Roth als Gary „Hutch“ Hutchens und Jennifer Jason Leigh als Chantal Hutchens lobend erwähnen. Letztere beiden spielen ein Killerpaar, dass so unglaublich gut zusammen passt wie überhaupt nur was und mir viel Freude bereitet hat. Aber auch die Mitchum-Brüder mit ihren drei Bunnys waren zu niederknien, davon abgesehen. An diesem Punkt muss man sich einfach eingestehen, dass Lynch ein Händchen für Charakter hat und ich einfach keine Person missen möchte.
Aber gut, die Serie spielt auf vielen Ebenen und genauso vielen Standorten und zu variablen Zeiten. So erfahren wir den möglichen Grund für den ganzen übernatürlich Schlamassel, nämlich die oberirdischen Atombombenversuche anno 1945. Also es könnte sein, dass BOB damals geboren wurde und die Woodsmen, die gar blutrünstig durch die Serie hüpfen, aber so festnageln würde ich mich nicht darauf lassen. Unbestritten glaubt jedoch FBI Deputy Director Gordon Cole (natürlich wieder David Lynch selbst) und FBI Agent Albert Rosenfield (Miguel Ferrer – leider auch danach verstorben) daran. Es gab bereits FBI-Teams, die in diesem Bereich tätig waren, jedoch ohne Erfolg und mitunter verschwindend wie FBI Agent Phillip Jeffries, der nun eine Teekanne ist (weil Bowie bereits tot war), den aber alle finden wollen, weil er so viel über Judy, die extrem negative Kraft, auch bekannt als Jowday, weiß.
Naja und dann sind ja noch die Leute aus Twin Peaks zu Gange. So bekommt Deputy Chief Tommy „Hawk“ Hill einen wichtigen Tipp von der Log-Lady und ihrem Holzscheit um Cooper zu finden, Shelly Briggs hat Sorge um ihre unterbelichtete Tochter und ihren noch dämlicheren Ehemann, die beide in einem Trailerpark leben, der von dem absoluten Gutmenschen Carl Rod (Harry Dean Stanton – auch schon tot) geführt wird, Audrey Horn bietet sich unglaubliche „Wortgefechte“ mit ihrem Ehemann Charlie und hat ein unsäglich fiesen und ekelhaften Sohn Richard (kein Wunder) und Jerry Horne verläuft sich im Wald.
Es gibt eine Glasbox in einem Gebäude in New York, die 24/7 beobachtet wird, falls darin etwas auftaucht, Laura Palmer damals wie heute oder auch nicht („Ich bin tot, doch ich lebe.“), tote Bibliothekarinnen mit falschem Körper, aber richtigen Kopf, Bäume mit Köpfen, anstatt tanzenden Zwergen, giftige Kotze, Richard und Linda, 252, Steckdosen und Hochspannungsmasten, Stummfilmdiven mit Weitblick, goldene Kugeln und dicke Lehmfiguren.
Wir sehen viele Bäume, nette Cameos und viele richtig gute Auftritte in der Bang Bang Bar und man wünschte sich so manches Konzert im wahren Leben, in dem das Publikum so einheitlich zu jeder Mucke abgeht wie hier.
Lynch packt sein gesamtes Lebenswerk in diese 18 stündige Komposition und ich werde ihn nie wirklich verstehen, aber wer bis zur 8. Folge durchgehalten hat, muss einfach weitermachen und außerdem spielen hier die NIN! So eine Folge kann man nicht nicht mögen.
Letztendlich ist „Twin Peaks the Return“ wirklich was für eingefleischte Lynchianer, starke Nerven und manchmal auch einen starken Magen. Es geht matschig zur Sache, Gefangene werden hier zu keiner Zeit gemacht und leider sind schon ganz viele Darsteller der Serie verstorben, was hoffentlich kein Zeichen ist.
Absolute Sehempfehlung.

3 thoughts on “BlaueRose,giftigerMaisbreiUndEinHerzFürDougie”

  1. Mir wird ja schon bei Deiner Beschreibung (weiße Hütte/schwarze Hütte, böse Kopie, im wahrscheinlichen Hier und Jetzt, mit Hilfe einer Steckdose Dougie transformieren, etc.) schwindlig. Und ich glaube, es ist nicht nur die Hitze. 🙂 Die Fortsetzung klingt mir zu lynchig, in Form von „der Künstler weiß wahrscheinlich selbst nicht genau, was das alles bedeuten soll“. Seinerzeit war „Twin Peaks“, so erinnere ich mich, vor allen Dingen deshalb ein Straßenfeger, weil es eine Serie mit einem mysteriösen Mordfall und die entsprechend Ermittlung noch nicht gab. Für mich hatte es dann den bereits den Reiz verloren, als der Mörder von Laura Palmer ermittelt war. Alle Folgen darüberhinaus waren in der Inszenierung besonders, mir aber zu wirr und langgezogen. Ich würde gerne wissen, ob mich die ersten beiden Staffeln heutzutage noch begeistern können.

    Ich kann mich noch erinnern, dass ich damals in Dana Ashbrook schockverliebt war. Die neue Staffel hat aber wirklich ein großes und tolles Ensemble und auffällig, wieviele Schauspieler hier nach der Serie verstorben sind.

    1. :)) Dana Ashbrook ja ja…
      Also die Serie ist wirklich anstrengend, aber auch total lustig und lynchig-künstlerisch. Er hat ja so seine ganz eigene Art uns zu sagen wie er die Welt sieht.
      Das Cast ist super toll und vor allem sind es die Figuren auch, die sie spielen. Natürlich sind mit bei Harry Dean Stanton fast die Tränen gelaufen. Was ein lieber Kerl. Ich kann mich an keine Rolle von ihm erinnern, die ich nicht mochte.
      Aber sicherlich kann er nicht ausschlaggebend dafür sein sich unter Umständen durch 18 Stunden Twin Peaks zu arbeiten :))

      1. 18 Stunden „Twin Peaks“ muss man sich mal vorstellen. :)) Irgendwo hatte ich glaube ich gelesen, dass die Fortsetzung ursprünglich über wenige Episoden gehen sollte. Jetzt sind es 18 Episoden und dabei soll es trotzdem noch eine limited series sein, eigentlich sind das zwei Staffel.

        Ja, Harry Dean Stanton war ein ganz feiner Kerl, den habe ich auch immer gerne gesehen. Letztens lief sein letzter Film „Lucky“ (mit David Lynch) auch irgendwo, dachte es war Netflix, im deutschen habe ich gerade geguckt, da läuft er leider nicht.

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