DiePräfektenWerdensRichten

Das Königshaus der Monster von Jonathan Barnes

Jonathan BranesInhalt:
Wir schreiben das Jahr 2007. Henry Lamb fristet sein unspektakuläres Leben als Archivar im öffentlichen Dienst, auf anraten seines Großvaters und wohnt zur Untermiete bei einer recht attraktiven jungen Frau, auf anraten seines Großvaters. „Der alte Lumpensack“ wie Großvater von Henrys Mutter bezeichnet wurde, lenkte sein Leben stets in gewisse Bahnen. In welche das weiß Henry auch nicht so recht, denn man kann ihn mit Fug und Recht als ziemlichen Langweiler bezeichnen, der es als Kinderdarsteller in einer Fernsehserie mal zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat. Nun da des alten Lumpensacks Tage gezählt sind und er sterbend im Krankenhaus liegt, tritt für Henry jedoch die große Lebenswende ein, denn keinem geringerem als ihm selbst obliegt die Aufgabe London und die Welt vor dem Untergang zu retten. Urplötzlich wird er von schrägen Kerlen zur Arbeit ins Direktorium verpflichtet, muss die Präfekten sprechen, um eine gewisse Estelle zu finden, die einen gewissen Leviathan in sich trägt. Also Henry weiß gar nicht, was er davon halten soll!

Fazit:
„Das Königshaus der Monster“ ist der zweite Roman Jonathan Barnes auf dem hiesigen Markt. Warum der deutsche Titel so schlecht gewählt wurde? Ein deutsches Problem. Natürlich kommen in Barnes (Fast)Fortsetzung zu „Das Albtraumreich des Edward Moon“ nicht wirklich Monster im gängigen Sinne vor und im Königshaus schon gar nicht, es sein denn man sieht eine religiös verirrte Queen Victoria, die Aufgrund seltsamer Träume einen Pakt mit einem Außerirdischen Ungeheuer schließt, als monströs an. Wie gesagt es ist nicht wirklich eine Fortsetzung, obwohl auch hier wieder das Direktorium, die Präfekten oder Dominomänner und der Chef des Direktoriums eine nicht unwesentliche Rolle spielen.
Die Geschichte spielt im heutigen London und wird als Aufzeichnung aus der Sicht des Protagonisten Henry Lamb berichtet, der vom langweiligen Archivar im öffentlichen Dienst zum nicht ganz so langweiligen Mitglied des Direktoriums auserkoren wird. Die Hintergründe warum das alles mit ihm passiert bleiben Henry weitgehend verschlossen und Informationen tröpfeln nur zaghaft zu ihm und dem Leser. Sein Großvater schien eine wichtige Rolle im „Spiel“ zu spielen und konditionierte Henry sein Leben lang auf diese Aufgabe hin, ohne das Henry einen blassen Schimmer davon hatte. Der Feind: das Britische Königshaus. Hier schaltet sich dann auch ein zweiter gegen Henry integrierender Erzähler mit ein, der für das Königshaus berichtet. Dabei beschreibt er die Rekrutierung des Prince of Wales, Charles, der bis Dato noch nichts von der dunklen Rolle seiner Sippe wusste.

Ich kann wirklich sagen, dass sich Jonathan Barnes in die richtige Richtung bewegt hat. War mir sein „…Albtraumreich…“ noch zu unvollendet, versucht er im „…Königshaus…“ mehr ins Detail zu gehen und bestimmte Wirren um das Direktorium zu lüften, wenn auch nicht immer ganz erfolgreich. Die Story verläuft ruhig, aber durchweg sehr spannend und steigert sich zunehmend, dabei weiß der Leser nie wirklich mehr als der Protagonist und auch die eingeschobenen Informationen aus dem Königshaus geben einem keinen Wissensvorsprung. In den Szenen, in denen die Dominomänner losgelassen werden kommt es zu unerwartet heftigen Gewaltausbrüchen, die ziemlich aus der Geschichte heraus stechen, aber gut, das Buch ist ja nichts was man der 8-jährigen Tochter in die Hand drückt. Zum Schluss hin wird es dann noch richtig finster und man ahnt nicht unbedingt in welche Richtung das Ende gehen wird:  apokalyptisch oder gibt es ein Happy End?
Zusammenfassend ist „das Königshaus der Monster“ absolut lesenswert und für mich besser als der Vorgänger. Spannender, skurriler und fantasievoller Fantasy-Horror, den ich nur weiter empfehlen kann.9-10

Das Königshaus der Monster von Jonathan Barnes; von Jonathan Barnes; Fantasy Science-Fiction Horror Mystery ;
Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The Domino Men, deutsche Ausgabe erstmals 2009 , 400 Seiten. ISBN 3-492-70176-0. Übersetzung ins Deutsche von Biggy Winter.

10 thoughts on “DiePräfektenWerdensRichten”

  1. „es sein denn man sieht eine religiös verirrte Queen Victoria, die Aufgrund seltsamer Träume einen Pakt mit einem Außerirdischen Ungeheuer schließt, als monströs an“

    Moment… Entspricht das etwa nicht den Tatsachen? 😉

    Mal im Ernst:

    Ich habe seit ca. 5 Jahren kein Buch mehr angefaßt, jedenfalls nicht in greifbarer Form, da ich mich auf Hörbücher konzentriert habe.
    Vor ein paar Wochen überkam mich dann die Lust, mal wieder ein echtes Buch mit Seiten und Buchstaben zu lesen.
    Meine Wahl fiel auf : „Der Kinderdieb“, was ich mir heute endlich auch mal gekauft habe.
    Wenn ich mich tatsächlich dazu durchringe, es zu lesen und Gefallen daran finde, dann wäre „Königshaus der Monster“ vieleicht ein bedenkenswerter Nachfolger.
    Wäre es empfehlenswert, „Das Albtraumreich des Edward Moon“ vorher zu lesen?

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