ScheinOderNichtsein

The Villainess von Jung Byung-gil

Hangul 악녀
Hanja 惡女
Revised Romanization Aknyeo
Directed by Jung Byung-gil
Produced by Moon Young-hwa
Written by Jung Byung-gil, Jung Byeong-sik
Starring Kim Ok-bin as Sook-hee, Shin Ha-kyun as Lee Joong-sang, Sung Joon as Jung Hyun-soo, Kim Seo-hyung as Kwon-sook, Jo Eun-ji as Kim Sun, Lee Seung-joo as Choon-mo, Son Min-ji as Min-joo, Min Ye-ji as Sook-hee (young), Kim Yeon-woo as Eun-hye
Music by Koo Ja-wan
Cinematography Park Jung-hun
Edited by Heo Sun-mi
Distributed by Next Entertainment World
Release date May 21, 2017 (Cannes), June 8, 2017(South Korea)
Running time 129 minutes
Country South Korea
Language Korean
Box office US$8.8 million

 

Auftragskillerin Sook-hee ist gut oder sagen wir, die beste, die zur Zeit auf dem freien Markt tätig ist. Kein Wunder, denn die junge Frau wurde bereits als Kind von einem der besten Profi-Killer trainiert. Doch Sook-hees Zeit der Freiheit ist vorüber, als ihr Mentor und Liebhaber stirbt und sie Rache nimmt. Just in diesem Augenblick wird eine geheime Regierungsbehörde auf sie aufmerksam und nimmt sie gefangen. Nun hat sie keine Wahl, denn Sook-hee ist schwanger und ein unkooperatives Verhalten würde sie ihr Kind kosten. So verpflichtet sie sich 10 Jahre für die Behörde zu töten und ein Leben als Schläferin zu beginnen, mit einem neuen Gesicht und einer neuen Identität. Aber zu vertrauen scheint man ihr nicht, denn sie steht ohne es zu ahnen rund um die Uhr unter Beobachtung.

Nun gab es töne, die meinten „The Villainess“ ist eine Mischung aus wenigen Actionszenen und Seifenoper, die Storysprünge seien verwirrend und die Handlung so dünn wie ein Seidenblatt, doch das sehe ich nicht so ganz so. Sicher, der Film fährt nach seinem fulminanten Anfang erst einmal etwas runter (sonst wären uns wahrscheinlich die Köpfe geplatzt) und nach und nach sehen wir die Tragödie der Protagonistin, die kein heruntergekommener Junkie ist, sondern eine junge Frau, die als kleines Kind mit ansehen musste wie ihr Vater bestialisch ermordet wurde und die dann in die Hände des falschen Mannes geriet, der sie zu einer Killerin ausbildete. In erster Linie sucht sie den Mörder ihres Vaters, andererseits liebt sie ihren Mentor und tut alles für ihn. Als ihr dieser Mann auch noch genommen wird, bricht für die Frau eine Welt zusammen und sie begibt sich auf ihren persönlichen Rachefeldzug, bis sie von der Polizei gestellt wird. In Gefangenschaft einer geheimen Regierungsbehörde macht sie dann brav, was man ihr sagt und avanciert zur besten Kämpferin, nebenbei bekommt sie ein Kind und zieht es in dieser sterilen Umgebung groß, bis zu dem Tag, als sie als Schläferin „entlassen“ wird. Sie beginnt ein neues Leben, bekommt ein neues Gesicht, verdingt sich als Schauspielerin und sie verliebt sich, jedoch ohne zu wissen, dass dieser Mann ihr Schatten ist. Doch die Geschichte läuft nicht so glatt weiter, denn ausgerechnet auf ihrer Hochzeit wartet ein spontaner Auftrag auf sie, der ihr bisheriges Leben wieder auf den Kopf stellt und ihr zeigt, dass sie ihr Leben lang nur manipuliert wurde.
Ich gebe zu, dass ich skeptisch war, als ich las, dass „The Villainess“ der Abschlussfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests geplant war. Irgendwie hörte sich alles nach einem „Nikita“-Abklatsch an und tatsächlich sieht Jung Byung-gil diesen Film als eine Hommage an diesen großartigen Film Luc Bessons. Überraschenderweise ist „The Villainess“ in meinen Augen aber komplexer und actionreicher als seine Vorlage. Regisseur Jung Byung-gil begann seine Karriere ja selbst als Stuntman und arbeitete hier mit dem Actionchoreographer Kwon Kwi-duk zusammen, der ihm jeden Wunsch von den Augen ablas und sensationelle Fights ablieferte. Das lässt sich sehen und schon in der Anfangssequenz geht es so voll zur Sache, dass einem die Luft wegbleibt und man diesen metallischen Blutgeruch fast schon in der Nase hat und ja, hier hatte der Film mein Herz gewonnen. Dazu kommt diese unglaubliche Kamera, die mit unserer Protagonistin mit läuft, sich dreht und windet, einem kein Verschnaufen lässt und jeden noch so schäbigen Winkel sieht und das auch, wenn es mal ruhiger wird immer überraschende Einstellungen bereit hält. Und dann unsere Protagonistin selbst (Kim Ok-vin), ein so bedeutender Mainpart für eine Frau, um den sich alles dreht ist für einen koreanischen Film nicht unbedingt üblich, umso schöner, dass die Geldgeber hier mitmachten.
Insgesamt ist „The Villainess“ vielleicht etwas lang, aber dafür gefiel mir hier so ziemlich alles. Wilde Kamerafahrten, wildere Action mit hohem Bodycount und Unmengen Blut und keiner richtigen Seite, dafür beeindruckende Darstellerinnen, süße Kids und keine Gendergnade.
Ein guter Abschluss. Absolut sehenswert.

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