KunstIstTrashUndRacheKaltServiert

Nocturnal Anmials von Tom Ford

Directed by Tom Ford
Produced by Tom Ford, Robert Salerno
Screenplay by Tom Ford
Based on Tony and Susan by Austin Wright
Starring  Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher
Armie Hammer, Laura Linney, Andrea Riseborough, Michael Sheen
Music by Abel Korzeniowski
Cinematography Seamus McGarvey
Edited by Joan Sobel
Production company Fade to Black
Distributed by Focus Features
Release dates September 2, 2016 (Venice) November 18, 2016 (United States)
Running time 116 minutes
Country United States
Language English
Budget $22.5 million  Box office $23.7 million

 

Die Kunstgaleristin Susan Morrow hat alles im Leben erreicht und führt eine nach außen glückliche Ehe. Doch der Schein trügt, Ehemann Walker geht es geschäftlich schlecht und Susan ist unglücklich mit ihm, nicht zuletzt weil er keine Zeit mehr mit ihr verbringt. Dazu kommt, dass sie ihre Arbeit mittlerweile hasst und moderne Kunst verachtet.
Als Susans Ex-Ehemann Edward Sheffield ihr sein neues Manuskript mit der Bitte es zu lesen, zukommen lässt, ist sie überrascht, denn die Trennung von ihm lief seinerzeit nicht gut und sie hat ihn seit 19 Jahren nicht gesehen. Doch sie fühlt sich geschmeichelt und so taucht sie in Edwards Geschichte über ein Ehepaar, dass auf ihrem Urlaubstrip in der texanischen Wüste mit tödlichen Folgen überfallen wird, ein. Es ist eine brutale Story und Susan leidet mit und bald verschwimmen Fiktion und ihr eigene Geschichte.

Es war für mich keine Frage, dass ich auch Tom Fords zweites Werk nach dem wunderbaren „A Single Man“ ansehen würde. Die Trailer hatten mich schon alleine aufgrund ihrer Optik umgehauen, das Cast tat sein übriges. Und was soll ich sagen? Ford hat mich nicht enttäuscht, „Nocturnal Animals“ ist ein großartiger Film, wenn auch ich ihn nicht zu meinen Lieblingsfilmen 2016 gepackt habe, aber so ist es manchmal: beste Filme müssen nicht zwangsläufig Lieblingsfilme sein.
Aber zum Werk: „Nocturnal Animals“ erzählt eine Geschichte in einer Geschichte. Die ansprechend stylische Rahmenhandlung erzählt von der Galeristin Susan, die im Grunde sehr unglücklich ist. So sehr wie sie die Kunst einst liebte, so sehr hasst sie sie mittlerweile und ist fast schon angeekelt, von dem was die da ausstellt. Daneben geht ihre jetzige Ehe nach fast zwei Jahrzehnten den Berg runter. Ehemann Walker hat geschäftlich kein gutes Händchen bewiesen, er ist Pleite und praktisch nie zu Hause, denn er betrügt Susan. Beide versuchen die Fassade aufrecht zu erhalten, aber Susan ist deprimiert und leidet unter Schlaflosigkeit.
Ihre luxuriöse Langeweile wird eines Tages durch das Manuskript ihres Ex-Ehemannes Edward durchbrochen. 19 Jahre hat sie ihn nicht gesehen, aus guten Grund, denn sie hat die Ehe sehr unschön beendet. Susan ist geschmeichelt und macht sich an das Lesen des Werks, das sie im Verlauf extrem mitnimmt und bewegt. Sie denkt zunehmend an die Zeit mit Edward zurück, sucht nach Parallelen zum Buch und scheint die Einsicht zu gewinnen, den falschen Weg im Leben eingeschlagen zu haben, woraufhin sie sich mit Edward verabredet.
Diese Rahmenhandlung ist kühl, durchgestylt und man wird kein Gesicht ohne Hochglanzmakeup sehen. Einfach großartig wie Ford und seine Maskenbildner es schaffen ohne die üblichen Silkionfalten und schiefen Perücken „mit geringsten Mitteln“ wie Hautfarbe, mehr oder weniger Augenmakeup und natürlicher Frisur glaubhaft den Zeitsprung von 20 Jahren zu illusionieren.
Adams und Gyllenhaal sehen tatsächlich mal wie Twens und dann wie Vierziger aus, ein Puzzelteilchen zur Glaubwürdigkeit ihrer Figuren.
Im Kontrast dazu steht die „natürliche“ Buchgeschichte einer texanischen Familie bestehend aus Vater, Mutter und Teentochter, die auf ihrer Ferienfahrt nachts in der Wüste von drei Rednecks vom Highway abgedrängt werden. Zuerst versucht der Vater die Situation zu schlichten, doch er kann sich nicht gegen die Aggressoren wehren und muss hilflos zusehen wie Frau und Tochter entführt werden. Später macht er sich mit einem todkranken Detective daran die Verbrecher zu finden und sie zu bestrafen.
Hier wie in der Rahmenhandlung spielt Jake Gyllenhaal den Ehemann, bzw. Ex-Mann und anhand der auffällig vielen rothaarigen Protagonistinnen könnte man nicht nur zum Schluss kommen, dass Ford auf rote Haare steht, sondern wie Charakter Susan selbst auch parallelen zur „realen“ und „fiktiven“ Welt sehen.
Ich könnte nicht sagen, dass hier ein Darsteller besser oder schlechter war, im Gegenteil, alle waren gut, wobei Amy Adams die Medaille für wässrige Augen und Extremposing bekommen sollte; Gyllenhaal und vor allem Michael Shannon, aber auch Laura Linney waren großartig, Isla Fisher natürlich und überzeugend und wer mich wirklich total überraschte war Aaron Taylor-Johnson! Du meine Güte, ich habe noch das Kick-Ass-Bild vor mir oder vielleicht Godzilla, aber seit ich ihn hier gesehen habe, weiß ich: der Typ hat es drauf und er hat mich das Fürchten gelehrt. Definitiv ein Mann, den ich unterschätzt habe und ein Schauspieler, den ich nun mit ganz anderen Augen sehe. Seine Szenen waren für mich die intensivsten und unerträglichsten.
„Nocturnal Animals“ ist ein Kunstwerk und Tom Ford hat bestätigt, dass er ein außergewöhnlich guter Regisseur und Drehbuchautor ist. Sehr sehenswert.

5 thoughts on “KunstIstTrashUndRacheKaltServiert”

  1. Nach Deinen Andeutungen letztens habe ich gedacht, der bekommt 6, max. 7 Punkte. Über 9 Punkte freue ich mich natürlich. Aaron Taylor-Johnson ist natürlich gut, hat etwas teuflisches beinahe, aber gegen Michael Shannon kommt er bei mir natürlich nicht an. :))

    Wie hat Dir das Ende gefallen?

  2. Ich kannte Ford als Regisseur nicht (habe seinen Erstling noch nicht gesehen) und war anfangs ein wenig überrascht über diese rape-and-revenge-Story. Aber wenn man dann das große Ganze betrachtet, war es schon ein ziemlich grandioser Film.

    1. Überrascht mich, das Du “A Single Man” nicht gesehen hattest, aber wurst, kannst noch nachholen.
      Ja, bei ihm ist es das Gesamtkonzept und das ist schon ziemlich cool. So universelle Talente finden sich selten, aber Tom Ford zählt auf jeden Fall dazu. Was mich sehr freut, ist dass Aaron Taylor-Johnson einen Golden Globe für diese Rolle bekommen hat. Mir läuft jetzt noch der kalte Schauer über den Rücken wenn ich an ihn im Film denke.

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