DieEigendynamikEines
VerplantenKonzepts

High-Rise von Ben Wheatley

HighRiseDirected by Ben Wheatley
Produced by Jeremy Thomas
Written by Amy Jump
Based on High Rise by J.G. Ballard
Starring Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes
Music by Clint Mansell
Cinematography Laurie Rose
Edited by Amy Jump, Ben Wheatley
Production company Recorded Picture Company, Film4, British Film Institute, HanWay Films, Northern Ireland Screen, Ingenious Media
Distributed by StudioCanal
Release dates 13 September 2015 (TIFF), 18 March 2016 (United Kingdom)
Running time 119 minutes
Country United Kingdom
Language English

 

Nach dem Tod seiner Schwester versucht Dr. Laing neu durchzustarten und zieht in das 25. Stockwerk des modernen High-Rise Komplexes.
Noch ist Laings Haus das erste bezogene, aber weitere Folgen. Der Architekt, Anthony Royal, hat die Häuser so konzipiert, dass deren Bewohner alles in einem Haus vorfinden und Menschen aus allen Lebensbereichen dort einziehen. Ob Schule, Kaufhaus, Fitnesstudio oder Swimming Pool, Laing muss das Haus nur für die Arbeit verlassen.
Doch so durchdacht das Leben in diesen autarken Wolkenkratzern konzipiert ist, so viel geht schief. Schnell muss Laing sehen, dass die Stockwerke ganze Gesellschaftsklassen trennen. So lebt „das Fußvolk“ in den unteren Etagen, der Mittelstand in der Mitte und die High Society in den oberen. 
Während sich die unteren Etagen ständigen Vorwürfen und Repressalien ausgesetzt sehen und unter den ständigen Stromausfällen leiden, wird das Leben nach oben hin zunehmend ausschweifender. Doch die Unten wollen Gleichberechtigung und die Stimmung im Haus schlägt um und Laing sitzt zwischen den Stühlen.

Was machen Menschen, die auf eingegrenztem Raum leben, alles haben und ihnen dann droht alles zu verlieren? Anarchie? Zeter und Mordio? Der Verfall aller Werte?
So sah es zumindest J.G. Ballard, der für seine Dystopien und unterschiedlichen Weltuntergangsszenarien bekannt war.
Nach vielen abgebrochenen Versuchen wurde J.G. Ballards Roman „High Rise“ nun erstmalig von Ben Wheatley verfilmt, der seinerseits dafür bekannt ist, ein recht unkonventioneller Filmemacher zu sein.
Das Team des Fantasy Filmfest ist natürlich stolz bislang wirklich jeden Schnipsel dieses Mannes gezeigt zu haben; mit Recht wie ich finde, denn auch wenn ich nicht alle seine Filme mag, zolle ich ihm Respekt für seine Unterschiedlichkeit.
Ich würde sagen, dass „High Rise“ sein bislang ansprechendstes Werk ist, auch wenn ich denke, dass der Film ein eher kleines Publikum anspricht.
Wheatley bleibt optisch an der Vorlage, die 1975 spielt und ist unbedingt detailverliebt, was Kleidung, Maske und Ausstattung angeht. Wir sehen eine tolle Kameraarbeit unglaubliche Szenen und Bilder, wegen derer es sich schon lohnt den Film anzusehen. Musikalisch gab es verstörend bis Ohrwurm, so summe ich noch heute aus dem gelungenen klassisch interpretierten Abbamedley „SOS“ :))
Ich hatte den Eindruck, dass Wheatley im Grundsatz auch inhaltlich an der Vorlage blieb, als Hilfsmittel jedoch Dr. Laing zur Hand nahm. In der Hauptsache folgen wir dem Psychiater, der zu Beginn des Filmes rückblickend zufrieden auf das mittlerweile entstandene Chaos sieht, das in den letzten drei Monaten seinen Lauf nahm.
Laing zieht der persönlichen Veränderung halber in den High Rise Komplex. Mittendrin im 25. Stockwerk lebt er zwischen den ärmeren Familien der unteren und den elitären der oberen Etagen, in der Mittelklasse. Es dauert nicht lange, bis Laing Anschluss findet, nach oben und nach unten, doch so richtig gehört er nicht dazu. Zwar hat er Kontakt zum Architekten und fängt ein Techtelmechtel mit seiner Geliebten an, wird jedoch von der Elite gedisst.
Während die Unterschicht vom verstopften Müllschacht bis hin zum vollurinierten Swimming Pool für alles was nicht läuft verantwortlich gemacht wird, lebt die Elite in Saus und Braus, feiert Parties und verbraucht alle Ressourcen, während unten alles dunkel ist.
Natürlich eskaliert  die Lage, denn jeder will ein Stück vom großen Kuchen und so verwandelt sich der High Rise in einen Sumpf aus Dekadenz, Mord und Totschlag.
Kaum jemand verlässt mehr das Haus, alles versinkt im Müll und Leichen, doch der verbliebene Rest lebt zufrieden weiter im Haus. So ist auch Laing glücklich endlich die richtige Farbe für seine Wohnungswände gefunden zu haben, auch wenn er gerade das letzte Stück von Royals Hund isst.
Wheatley hat meiner Meinung nach das Beste aus diesem schwierigen Roman herausgeholt und ein visuell opulentes Werk geschaffen, dass vielen alleine vom Ablauf her zu künstlerisch oder wirr sein mag, für mich aber perfekt in die Vorstellungen der Zeit passt, in der es geschrieben wurde und natürlich auch heute noch Allgemeingültigkeit hat. Ohne Zweifel.
Tom Hiddleston macht als Dr. Laing nicht nur mit Handtuch eine gute Figur und Luke Evans kann wie kein anderer Mann so Kotletten tragen. Ich bete die beiden einfach an. So unterschiedlich und jeder auf seine Art so wunderbar.
Sienna Miller fiel eine eher tragische Rolle zu, gefiel mir aber ebenfalls sehr gut wie auch Elisabeth Moss, bei der ich erstmal lange überlegen musste wo ich sie zuletzt gesehen hatte (Top of the Lake) und die (einer der wenigen Wermutstropfen) die ganze Zeit einen so dicken Schwangerschaftsbauch hatte, dass man dachte sie explodierte gleich. 8/10Das hat aber leider auch zur Folge gehabt, dass man durch sie den Zeitverlauf nicht mehr abschätzen konnte, denn wer ist 3 Monaten im 15 Monat Schwanger?
Insgesamt ein großartiger Film, der mir sicher noch lange in Erinnerung bleibt. Sehr empfehlenswert.

4 thoughts on “DieEigendynamikEines
VerplantenKonzepts”

  1. Auf den freue ich mich richtig, habe schon befürchtet, dass er Dir nicht gefällt. 🙂 Ich mag das auch nicht, wenn ich die Ereignisse in einem Film zeitlich nicht einordnen kann.

    Ich liebe Elisabeth Moss und die läuft mir tatsächlich auch andauernd über den Weg. „Top of the Lake““ wird übrigens fortgesetzt, habe ich gelesen.

    1. Mal sehen wie er Dir gefällt. Ich hatte den Eindruck, dass eine Menge Zuschauer nichts mit der Story anfangen konnten, sicher auch Aufgrund der Tatsache, dass man nicht sagen konnte wie viel Zeit vergangen ist, auch wenn es vorher eingeblendet wurde 🙂

  2. Mit dem Roman konnte ich nicht viel anfangen, aber auf den Film freue ich mich dennoch sehr. Wheatley gehört, wie du schon sagst, zu den interessanteren Regisseuren, weil er doch mit jedem Film ein bisschen was anderes zu bieten hat. Und bisher mochte ich eigentlich auch das, was ich von ihm gesehen habe… auch wenn ich es in den meisten Fällen nie so ganz verstanden habe 😀

    1. Ich mochte Ballard auch nie gerne lesen, auch wenn die Geschichten inhaltlich gut waren, gefiel mir sein Stil nie so wirklich, aber hier so bunt und stylisch verpackt, konnte man den Stoff gut konsumieren.

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