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Des nouvelles de la planète Mars von Dominik Moll

MarsOriginaltitel: Des nouvelles de la planète Mars
Genre: Tragikomödie
Produktionsland: Frankreich, Belgien
Produktionsjahr: 2016
Länge: 101 (Min.)
FSK: keine Angabe
CAST & CREW
Regie: Dominik Moll
Drehbuch: Gilles Marchand, Dominik Moll
Kamera: Jean-François Hensgens
Schnitt: Margot Meynier
Musik: Adrian Johnston
Hauptdarsteller: François Damiens, Michel Aumont, Léa Drucker, Veerle Baetens, Vincent Macaigne

 

Der Informatiker Phillipe Mars ist im Grunde ein herzensguter Mensch. Er hat zwei Kinder im Teenageralter, die er weitgehend alleine groß zieht, da seine Ex-Frau als Auslandsjournalistin immer unterwegs ist und nimmt es hin, dass er auf der Arbeit  ausgenutzt wird und seine Kinder auch kein wirkliches Interesse an ihm haben.
Doch die Dinge verkomplizieren sich innerhalb weniger Tage, als er einen Kollegen bei einem Projekt unter die Arme greifen soll, dieser sich als psychisch labil herausstellt, einen Nervenzusammenbruch bekommt und Phillipe fast ein Ohr abhackt, aber dafür kurze Zeit später aus der Irrenanstalt flieht und bei Phillipe einzieht. Dazu kommt, dass Sohnemann Vegetarier geworden ist und sich mit Hilfe des Neuzuzugs zum militanten Tierschützer verwandelt, der nicht vor Holocaust-Vergleichen zurückschreckt.
Da kann Phillipe nur noch sprachlos vor den Nacktbildern seiner Eltern stehen, die seine Künstlerinschwester gerade in einer Galerie ausstellt.
Aber auch Phillipe kann anders. Leider triffst den Kleinsten in der Familie.

„Des nouvelles de la planète Mars“ von Dominik Moll ist ein echtes Juwel. Diese schräge Tragikkomödie beleuchtet ein paar Tage aus dem Leben eines sehr bemühten Familienvaters, der nie aus der Haut fährt und es mit unglaublicher Ruhe schafft, dem Irrsinn Leben irgendwie Paroli zu bieten. Ich persönlich hätte an etlichen Stellen Phillipes Stationen total die Kontenance verloren, aber genau das macht den Witz und die Spannung hier aus. Man sagt sich: wehr Dich oder das wird nicht gut enden und jeder weiß bei einem Blick in das Büro Phillipes Kollegen, dass der Mann kurz vorm Amoklauf ist, aber nicht so unser Protagonist, der auch dann ruhig bleibt, als er fast sein Ohr verliert und der Täter kurze Zeit später einfach bei ihm einzieht und alles noch mehr ins Chaos stürzt.
Eine skurrile Geschichte, die aber das Herz am rechten Fleck hat, denn Phillipe mag zwar nicht auf sein Fleisch verzichten, vermag jedoch dem Sohn entgegenzukommen, so wie er sich auch sofort für seine Tochter einsetzt, die ihn sonst so herablassend behandelt.
Und auch, wenn es keinesfalls so aussieht: verrückt sind immer die anderen und alles wird gut, es sein denn man ist Hund. So fliegt Phillipe dann in seinen Träumen durchs All, sieht seine toten Eltern, die zwar immer kleiner werden, ihm aber wenigstens etwas Unterstützung zu Teil werden lassen und schwärzt 12 Jährige an, die Schmuddel-SMSs verschicken.
Ich mochte „Des nouvelles de la planète Mars“, in meinen Augen ist es genau die richtige Mischung aus Familiendrama und Groteske.
6975309_af82268b23_sNatürlich wäre der Film nur halb so gut ohne François Damiens, der diesen Gutmenschen einfach perfekt verkörpert, dabei aber durchaus unterschwellig auch etwas wehrhaftes hat.
Insgesamt empfehlenswert.

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