DiePolnischeHochzeitOder
NiemandIstOhneSchuld

Demon von Marcin Wrona

DemonDemon
Israel, Polen 2015
Regie Marcin Wrona
Drehbuch Pawel Maslona, Marcin Wrona
Produzent Marcin Wrona
Darsteller  Agniezka Żulewska, Adnrzej Grabowski, Wlodzmierz Press, Tomasz Schuchardt, Itay Tiran, Adam Woronowicz, Tomasz Zietek
Laufzeit ca. 94 Min
Release dates 17 September 2015
Version polnisch/ englisch/ jiddische OmeU
World Sales Reel Suspects

 

Piotr und Žaneta kennen sich noch nicht lange, doch wo die Liebe hinfällt – heute ist Hochzeit.
Ein Haus vom Großvater haben die beiden schon und die Feier steht, auch wenn Žanetas Vater nicht erbaut über die schnelle Entscheidung seiner Tochter ist. Ausgerechnet ein Mann aus London musste es sein, dabei stehen die polnischen Kandidaten praktisch vor der Haustür.
Aber da ist nichts zu machen weder Regen noch Sturm kann die beiden von der Trauung abhalten, wäre da nur nicht das Skelett, das Piotr entdeckt hat, als er mit dem Bagger hinter dem Haus versehentlich einen Baum umgefahren hat. So wirklich weiß er nicht wie er damit umgehen soll und Žanetas Vater will nichts davon wissen.
Lasst die Toten ruhen und hoch die Wodkagläser. 
Doch so einfach ist die Sache nicht mit dem was da in der Erde schlummert; Piotr hat nämlich einen Dibbuk entfesselt, der sich seiner annimmt. Zum Leidwesen der festlichen Stimmung.

Demon2

Zugegeben „Demon“ ist ein durchaus guter und anspruchsvoller Film. Er ist wunderschön gedreht und hervorragend gespielt. Regisseur Wrona war hautnahe an seinen Figuren und man kann wirklich sagen, dass sich alles echt und ungekünstelt anfühlte und aussah.
Trotzdem konnte ich mich nicht zu 100% mit dem Film anfreunden, er passte mir irgendwie nicht ins White Nights Programm.
Wrona erzählt in „Demon die Geschichte einer junger Liebe, die von der Besessenheit durch einen Dibbuk zerstört wird. Eine übereilte Hochzeit, das Verlangen zweier Liebender schnell Nägel mit Köpfen zu machen und das Unbehagen der Familie darüber sowie die Eifersucht des örtlichen Freundes des Bruders und die Ablehnung der Braut. Alles ist miteinander verknüpft. Man lacht, tanzt und trinkt viel, dann tobt sich der Dibbuk aus und man versucht zu vertuschen, was da Sache ist. Eine jüdische Vergangenheit des Ortes, ein Großvater dessen Rolle nicht klar ist, eine verschwundene jüdische Braut, Verdrängung der Vergangenheit. Essen, tanzen, trinken. Eine Seele kam nicht zur Ruhe, doch auch der Pfarrer kann nicht helfen.
Und während die letzten Gäste am morgen auf dem Heimweg eine Trauergesellschaft kreuzen, ist Bräutigam und Dibbuk verschwunden.

Wrona gelang ein atmosphärisch dichter Film, der trotz seines geringen Tempos nie langweilig wird. Man kann schon sagen, dass der Streifen wirklich gut durchdacht ist und jede Szene sorgfältig inszeniert wurde. Dazu kommt, dass wir eine interessante Mischung aus Grusel, Spannung, Ernsthaftigkeit und Humor haben. Immer wieder lockert Wrona den Ernst der Lage und vor allem den kritischen Zustand des Bräutigams mit dieser immer skurriler wirkenden Hochzeitsgesellschaft auf.
Die Leistungen der Darsteller waren dazu wirklich außergewöhnlich allen voran Itay Tiran, der hier den Piotr spielte, vollen Körpereinsatz brachte und Linda Blair wie eine plüschige Handpuppe wirken lässt.
Was mich aber wirklich störte war das durcheinander aus polnisch und nuscheligem Englisch. Das eine zu schnell und wenig untertitelt, das andere für mich nicht immer verständlich. Ich hatte das Gefühl, mir wäre was entgangen.
Davon abgesehen ist ein sehenswerter, ganz ungewöhnlicher Film entstanden, der zudem einer israelisch-polnischen Produktion entsprang und schon deshalb sehr überrascht und 8/10meine unbedingte Sehempfehlung bekommt.
Leider werden wir von Marcin Wrona keine Filme mehr sehen können, der Regisseur nahm sich letzten September das Leben. Polen verliert mit ihm ein großes Talent.

2 thoughts on “DiePolnischeHochzeitOder
NiemandIstOhneSchuld”

    1. Der hat so gute Resonanz erfahren also auch international, dass man ihn eigentlich nicht übergehen darf. Aber wer weiß, vielleicht läuft er im nächsten Jahr auch „nur“ auf Arte.

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