StimmenImKopf

Love & Mercy von Bill Pohlad – Berlinale Special

love-and-mercy-poster_articleLove & Mercy
Directed by Bill Pohlad
Produced by Bill Pohlad Claire Rudnick Polstein John Wells
Written by Oren Moverman  Michael Alan Lerner
Starring John Cusack Elizabeth Banks Paul Dano Paul Giamatti
Music by Atticus Ross
Cinematography Robert Yeoman
Edited by Dino Jonsäter
Production company River Road Entertainment Battle Mountain Films
Distributed by Roadside Attractions
Release dates September 7, 2014 (TIFF) February 8, 2015 (BIFF) March 13, 2015 (SXSW) June 5, 2015
Running time 120 minutes
Country United States Language English

 

Wir befinden uns mitten in den Sechzigern, die USA haben ihre Superstars mit einem neuen Sound, dem Surfsound. Die Jungs, die damit an die Spitze der Charts katapultierten sind die Beach Boys, drei Brüder, ihr Cousin und ein Freund der vier.
Mastermind der Band ist Brian Wilson, der älteste der Wilson Brüder und ein genialer Komponist, aber mit psychischen Störungen.
Viele Jahre und Drogenexzesse später, hat Wilson ein Tief überwunden. Wir sind in den Achtzigern, Wilson steht unter Kontrolle seines Arztes Dr. Eugene Landys, als er die Autoverkäuferin Melinda Ledbetter kennenlernt und die beiden sich verlieben. Doch Landy hat andere Pläne und Wilson dank starker Medikamente keine Kraft sich zu wehren.

Weder bin ich ein ausgesprochener Fan von Musikfilmen, noch von Biografien, doch ich muss gestehen, dass mich „Love & Mercy“ sehr bewegt hat.
Es ist ganz klar, dass die Charakter und Begebenheiten, wie sie nach Brian Wilsons Bio verfilmt wurden etwas verzerrt und komprimiert wurden, nichtsdestotrotz kommt ziemlich hautnahe durch wie sehr dieser Mann leiden musste.
Brian wurde wie seine Brüder auch, vom tyrannischen Vater misshandelt, verlor auf einem Ohr fast komplett den Gehörsinn, dann führten psychische Probleme zu Stimmen in seinem Kopf, die ihm sicher auch halfen viele geniale Kompositionen zu schreiben, die er aber auch mit Drogen und Alkohol besänftigte, bis er mehrere Jahre nicht mehr aus dem Bett kam. Schließlich gelangte er in die Fuchteln des Quacksalbers Dr. Eugene Landys, der ihn zwar aus dem Bett holte und körperlich fit machte, aber dermaßen kontrollierte und unter schwere Medikamente setzte, dass Wilson nur noch eine Marionette war. Ob es nun wirklich seine spätere Frau Melinda war, die ihn aus dieser Situation befreite, mag dahingestellt sein, wichtig ist, dass sein Bruder Carl wind davon bekam, dass Landy Brians Testament ändern wollte und ihm per Gericht die Zulassung entziehen lies sowie den Umgang mit Brian. Die Romanze zwischen Melinda und Brian konnte sich nun ungehindert entwickeln.
Bill Pohlad wechselt in seinem Film zwischen den Sechzigern und den Achtzigern bis in die Neunziger. Jede Lebensphase hat da ihre Reize, wobei natürlich die Hitzeit in den Sechzigern deutlich bunter und weitgehend fröhlicher ist wie auch die Aufnahmen zu „Pet Sounds“ absolut aufregend und fast schon dokumentarisch sind, mir jeder Song und Ton ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Zu verdanken ist das zu großen Teilen auch der unglaublich guten Darstellung Wilsons durch Paul Drano. Ich mag den Jungen, bislang hatte ich ihn nie so richtig ins Herz geschlossen, aber das hier macht er ganz großartig.
Dazu im Kontrast steht die Erzählung aus den Achtzigern, die wesentlich deprimierender ist, schon aufgrund der prekären Situation in der er durch Landy steckte, aber besonders durch John Cusack. Ich kann nicht verstehen wie mann eine Rolle so fehlbesetzen kann. Cusack ist im Grunde ein toller Schauspieler, aber im ständigen Vergleich zu Drano verblasste er zunehmend und so fahlgrau wie seine Haut war auch sein Spiel. Schade eigentlich, auch wenn es den Film nun nicht zu einem schlechten Film machte. Die Geschichte so wie sie hier erzählt wurde ist einfach interessant und anrührend und ich muss gestehen, dass die Beach Boys schon geniale Songs geschrieben haben.
onion_avatars8:10Insgesamt ein ordentlicher und absolut sehenswerter Film, der mit einem statt John Cusack, vielleicht noch besser gewesen wäre.
Der Score von Atticus Ross hat sich übrigens sehr angenehm hervorgetan oder eben nicht.

3 thoughts on “StimmenImKopf”

  1. Schade, dass John Cusack da nicht so gepasst hat, der hat ja in den letzten Jahren häufiger mit seinen Rollen ins Klo gegriffen. Paul Dano mag ich sehr, aber ich hab mich dann ja gegen den Berlinale-Besuch entschieden. Läuft ja auch im Juni an, dann probiere ich es vielleicht doch.

    1. Da weiß ich auch nicht, was sie sich dabei gedacht haben, schon weil Dano und Cusack so unterschiedlich sind, das disharmoniert schon, aber in der Rolle an sich kommt er nicht so gut rüber, wenn man den direkten Vergleich zu Dano hat.

      1. Ich hatte ja ne Karte für den Montag, aber das war der Tag, an dem es mir morgens so elend ging, dass ich nicht hingegangen bin. Naja, ich werde es im Juni nachholen, denn zu schreibst hier ja sehr nett über den Film.

SagWas!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.