DieBeichte

Calvary von John Michael McDonagh

Pater James Lavelle versucht die Fassung zu bewahren als ihm bei der Beichte offeriert wird, dass ihm der Mann auf der anderen Seite nur noch eine Woche Zeit lässt, um sein Leben zu ordnen und ihn dann erschießen wird, an einem Sonntag.
Nicht dass Pater Lavelle ein schlechter Priester wäre, nein im Gegenteil, weil er ein so guter Mensch ist, will der Attentäter ein Zeichen setzten, denn er wurde während seiner Kindheit von einem Priester schwer missbraucht.
Nun steht für Lavelle die Frage im Raum, wer ihm da an den Kragen will und das ist nicht leicht in einer zwar katholischen Gemeinde, die ihm jedoch im Gros nicht besonders wohlgesonnen ist. So stößt der gutherzige Mann weitgehend auf Ablehnung und muss sich zugleich um seine fragile Tochter kümmern, die gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat. 

John Michael McDonagh kennen wir bereits von  seinem großartigen Erstling „The Guard“ und ich muss sagen, dass er mit „Calvary“ einen ebenso guten Film nachgelegt hat.
Natürlich ist die Freude besonders groß, weil er wiederum Brendan Gleeson für den Mainpart verpflichten konnte und wir eine Menge bekannter Gesichter aus dem Vorgänger bewundern können einschließlich dieses schrägen kleinen Jungens gespielt von Michael Og Lane.
Die Story ist sehr schwarzhumorig, denn es geht um einen katholischen Pater, der bereits ein Vorleben mit Familie hatte, verwitwet ist und eine Tochter hat.
Dieser Mann hatte nach dem Tod seiner Frau beschlossen sein Leben dem Herren zu widmen und für sich und die Menschen Gutes zu tun und ist Priester geworden.
Lavelle ist ein großer Brummbär, der seine Trinksucht mittlerweile im Griff hat und wirklich ein Gutmensch ist. Umso mehr bestürzt ihn die Beichte eines seiner Schäfchens, die ihm mit seiner Ermordung droht, ihm jedoch noch eine Woche Zeit gibt.
Ein Mann, der viele Jahre seiner Kindheit von seinem Priester missbraucht wurde und bis heute darunter leidet, will ein Zeichen setzen und zwar durch die Hinrichtung eines guten Priesters, anstatt eine schlechten, um den ohnehin niemand trauern würde.
So macht sich Pater Lavelle auf, den Mann zu suchen, der ihn umbringen will und stellt fest, dass seine Gemeinde eigentlich nur aus schwarzen Schafen besteht und ihm niemand wirklich wohlgesonnen ist. Zu dem kommt seine Tochter zu ihm, die gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat und arbeitet ihr Leben und das Verhältnis zu ihrem Vater auf.
Auch wenn „Calvary“ zunächst wie ein fröhlicher Kirchenkrimi klingt ist er viel mehr.
Natürlich geht es in erster Linie um den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, das Leid der Missbrauchten und die Ohnmacht, auch der Kirche, damit umzugehen, doch sehen wir auch eine dominante geistliche Figur, die der Mehrheit seiner Gemeinde deutlich intellektuell überlegen ist und trotzdem versucht alle auf dem rechten Weg zu halten und ihnen ein guter Vater zu sein.
McDonagh lässt seinen Protagonisten auf seiner Suche einen nach dem anderen abklappern, wir lernen die Gemeinde kennen, wähnen Verdächtige, verwerfen wieder und überlegen, warum immer die Unschuldigen für die Gräueltaten anderen büßen müssen.
McDonagh hätte keinen besseren als Gleeson für diesen Part auswählen können, der jede Einstellung beherrscht und der ohne was zu sagen so viel ausdrücken kann. Angenehm überrascht war ich diesmal auch von Kelly Reilly, die ein zartes Pflänzchen spielt, das sich vom Vater verlassen fühlt und trotz der Tragik ihrer Figur total unaufgeregt und sympathisch spielt.

„Calvary“ ist ein atmosphärisch dichter Film, der Abgründe auftut, Krimi und Meditation zu gleich ist. Vielschichtig und gut aufgelegt mit einem überzeugenden Cast, sehenswert.

Calvary Directed by John Michael McDonagh Produced by Chris Clark Flora Fernandez-Marengo James Flynn Written by John Michael McDonagh Starring Brendan Gleeson Chris O’Dowd Kelly Reilly Aidan Gillen Cinematography Larry Smith Editing by Chris Gill Studio Reprisal Films Octagon Films Protagonist Pictures Momentum Pictures Distributed by Entertainment One (UK) Fox Searchlight Pictures (US) Release dates 19 January 2014 (Sundance) Running time 101 minutes Country Ireland United Kingdom Language English Budget €6 million

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