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In The Name of The Son von Vincent Lannoo

Elisabeth ist was man gemeinhin eine gute Katholikin nennt. Sie ist glücklich verheiratet, hat zwei entzückende Söhne, moderiert eine katholische Rundfunksendung rund um Fragen des Glaubens und liest brav die Weltanschauungen aus der orthodoxen katholischen Lebensfibel vor.
Natürlich gewährt sie auch dem jungen Priester Achille kostenlose Kost und Logie, weil die Gemeinde ja sparen muss und erträgt es tapfer, als sich ihr Mann bei einem vermeintlichen Jagdausflug mit dem Sohn den Kopf wegschießt.
Wie dann nicht viel später ihr der 13jähriger Sohn Jean-Charles öffentlich im Radio die Liebe zu einem Mann gesteht, ausgerechnet Pater Achille, gerät ihre kleine Welt ins wanken. Doch sie kommt zu spät zu einer Richtigstellung des Gehörten, kann gerade noch mit ansehen wie sich Jean-Charles erschießt.
Nach einem kurzen Luftholen beschließt Elisabeth, dass sie es nicht bei dem ungesühnten Kindesmissbrauch bewenden lassen kann und sucht den Beistand beim befreundeten Bischoffsanwärter. Aber der holt sie auf den Boden der Tatsachen der katholischen Kirche zurück, beschimpft und verhöhnt sie und stirbt. Wie nun auch viele andere Gottesbedienstete mit pädophiler Vergangenheit.

Lannoo packt viel in diese 80 Minuten Film, sehr viel. Alleine die ersten 20 Minuten sind so vollgestopft mit Material, dass man kaum zum Luft holen kommt und dann wie mit der Keule getroffen wird als Elisabeth zum Rundumschlag ausholt und die Fahrt aus dem Streifen genommen wird.
Lannoo zeigt die große Heuchelei, die in der katholischen Kirche betrieben wird auf eine sehr zynische Art und Weise, gleichzeitig sehen wir aber auch durchaus positive Aspekte des Glaubens, nur um diese dann in eine absurde Situation abgleiten zu lassen.
So ist es der pädophile Priester Achille, der dem zum Islamhasser gewordenen Jean-Charles immer wieder über Werte referiert und Toleranz gegenüber andere Kulturen und Religionen vermittelt und dann sehen wir seine Hand in mehr als väterlicher Annäherung auf der Jean-Charles.
Oder während Elisabeth in ihren Sendungen versucht vernünftige Erklärungen zu finden, dass man die Worte der  Bibel nicht immer 1:1 in das Leben umsetzen kann, schläft neben ihr sabbernd der beratende Priester vor seinem Mikro.
Lannoo spielt mit dem Zuschauer und wir erleben beschauliche Momente des christlichen Lebens und dessen Werte, die durchaus nicht alle für den Gully sind, mit Schmunzeln oder Kopfschütteln, um dann die Kampfübungen und Hasspredigten radikaler Bruderschaften zu beobachten und mit anzuhören wie lapidar hohe Ämter der Kirche Kindesmissbrauch abtun. Der lieben Elisabeth dabei zuzusehen wie sie dem zukünftigen Bischoff den Schädel einschlägt, um danach mit dem jüngeren Sohn im Anhang auf Rachetour zu gehen ist dann fast schon eine Befreiung.
Man mag diesem Werk zwiespältig gegenüberstehen, Satire, Religion und Selbstjustiz ergeben eine seltsame Mischung, doch zeigt Lannoo für mich gut den Kontrast von Basis und Führung und die Enttäuschung, wenn die Schleier fallen und man der ungeschminkten Wahrheit ins Auge sehen muss. Ob man dann für seine eigene Befreiung wie Elisabeth vorgehen sollte, steht hier eigentlich gar nicht zur Debatte, symbolisiert es für mich nur die Loslösung von ihrer blinden Gutgläubigkeit, dass die Kirche immer richtig liegt was Lebensplanung und Auslegung des Glaubens angeht.
Ich mochte den Bruch zwischen satirischer Betrachtung der Kirche, Glaubensfragen und einem entschleunigten Rundumschlag mit Todesfolgen, der sich am Ende fragt, ob das der richtige Weg ist.
Ganz großartig schafft es Astrid Whettnall, als Elisabeth uns die Facetten dieser betrogenen Frau zu zeigen. Sie trägt die Handlung mühelos und mit einer natürlichen Ruhe und Selbstverständlichkeit, dass man keinesfalls an eine Kunstfigur denkt.

Insgesamt für mich das Highlight des diesjährigen Fantasy Filmfests.

In the Name of the Son aka Au nom du fils Belgien 2012 Regie Vincent Lannoo Drehbuch Albert Charles Philippe Falardeau Vincent Lannoo Produzent Lionel Jadot Darsteller Achille Ridolfi Albert Chassagne Astrid Whettnall Jacky Nercessian Philippe Nahon Zacharie Chasseriaud Laufzeit ca. 80 Min Version französische OmeU

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