DerAmerikanischeTraumEines
FitnessFreaks

Pain & Gain von Michael Bay

Daniel Lugo hält sich für einen smarten und gewitzten Typen, auch wenn er gerade wegen Betrugs im Bau war.
Doch Lugo hat hochtrabende Ziele, sein erstes ist Fitness und dafür legt er sich in John Mese Sun Gym echt krumm. Wie versprochen bringt er den Laden in kürzester Zeit aus den Miesen und verdreifacht die Mitgliederzahl, doch finanziell sieht es mehr als unbefriedigend aus.
Aber Lugo hat einen Traum und überredet Bodybuilderfreund Adrian Doorbal mit ihm den Selfmademan Victor Kershaw zu entführen und ihn zu zwingen ihm sein gesamtes Vermögen zu überschreiben. Als den beiden dann noch Ex-Knackie, zum Glauben bekehrter und Bär von einem Bodybuilder Paul Doyle über den Weg läuft, ist das Trio perfekt.
Und tatsächlich: die Drei entführen Kershaw, der sich zunächst als ziemlich folterresistent herausstellt, doch mit dem Beweise vernichten klappt es nicht so – egal Haus, Auto und Moneten gehören ihnen.
Und ja, es handelt sich um einen wahren Fall!

Nein, ich hätte mir diesen Streifen unter normalen Umständen nicht im Kino angesehen, aber Donnerstag war Sneaktime und so „rutschten“ wir in den aktuellen Michael Bay Film, eine für seine Verhältnisse Billigproduktion.
„Pain & Gain“ basiert auf der wahren und fast unglaublichen Geschichte der „Miami’s Sun Gym Gang“ einer Gruppe Bodybuilder, die reiche Geschäftsleute entführten und unter Folter die Überschreibung ihres Geldes und ihrer Güter erzwangen und sie dann töteten. Ihre „Erfolgsgeschichte“ lief solange gut, bis einer ihrer Opfer überlebte.
Michael Bay nun, beschränkt sich in seiner Version der Bodybuildergang auf zwei Fälle, einen jüdischen Feinstkostmillionär, der unausstehlich aber enorm zäh ist und einen Geschäftsmann aus der Pornobranche.
Dabei vergisst Bay auch nicht uns die drei Täter aus seine ganz eigene Hochglanz und Star&Stripes-Popart vorzustellen. Daniel Lugo, der selbstverliebte Trickbetrüger, Bodybuilder und „Mastermind“ der Gruppe, Adrian Doorbal, Lugos bester Freund und Steroidjunkie mit einem Penisproblem und Paul Doyle Ex-Knackie, Naturtalent in Muskelmassensachen, zum Glauben bekehrter Christ mit homophob-schwuler Tendenz sowie gutgläubiger Tanzbär.
Lugo schafft es die beiden Männer bei seinem irrwitzigen Plan einen reichen Mann zu entführen und ihn zu zwingen ihnen all sein Geld und Besitz zu überschreiben, zu überreden. Die drei Dilettanten kommen tatsächlich zum Ziel und ziehen ihre menschenverachtende Nummer durch, leider scheitert die Tötung ihres Opfers.
Kaltblütig übernehmen sie Kershaws persönlichen Besitz und leben in Saus und Braus, bis die Kohle knapp wird, doch Lugo hat bereits das nächste Opfer im Visier und da die anderen beiden mittlerweile auch blank sind, machen sie wieder mit.
So finster, unglaublich und bitterböse diese Geschichte ist, schafft es Michael Bay leider nicht ihr mit  Ernsthaftigkeit zu begegnen oder wenigstens so schwarzhumorig wie es die Coens in Fargo vermochten. Die erste halbe Stunde wähnt man sich nicht nur im falschen Film, sondern in einer Bay Klamotte.
Bunte sonnige Hochglanzbilder, coole Mucke und die Selbstverständlichkeit mit der die Protagonisten ihre Geschichte aus dem Off erzählen, gepaart mit teilweise tumben Witzen erwecken den Eindruck es handle sich um eine schlechte Komödie. Doch in sporadischen Anflügen von Talent, Zufall oder dem Willen etwas ernsthaftes zu drehen wird der Klamauk von echtem Drama durchbrochen, jedoch nur um wieder Albernheiten zu verteilen. Ich weiß nicht, ob Bay nicht will oder kann, aber an einer wirklich guten schwarzen Komödie ist er fett vorbeigeschrappt.
Sein Glück ist tatsächlich die für diesen Film gute Besetzung. Man mag es kaum wagen bei Namen wie Mark Wahlberg oder Dwayne Johnson von schauspielerischem Talent zu sprechen, aber die beiden haben den Film in echt rausgerissen. Johnson hat diesen zerrissenen Typen Paul Doyle einfach klasse gemimt und man hat ihm den wankelmütigen, kokainsüchtigen Dumbatz wirklich abgenommen.
Und auch Mark Wahlberg ist perfekt als selbstverliebter, sich selbstüberschätzender und menschenverachtener Bodybuilder mit Ambitionen einfach schnell reich zu werden. Besonders helle wirkt er ja nie, aber den geschäftstüchtigen Blasebalg gibt er überzeugend.
Anthony Mackie als dritter Mann, ist zwar sonst der bessere Schauspieler, geht hier aber für meinen Geschmack etwas unter, was vielleicht daran lag, dass er mir zu aufgepumpt aussah und mich das ablenkte.
In weiteren Nebenrollen sehen wir als Kershaw Tony Shalhoub, der für mich immer „Monk“ bleibt, auch wenn ich ihn mag und er seine Sache hier vortrefflich macht und den immer dünner werdenden Ed Harris als pensionierter Polizist und Privatdetektiv, besonnen und hochsympathisch.
So kommt man denn nach gut 129 Minuten aus dem Kino und hat entweder die Hälfte verschlafen (wie meine Begleitung) oder ist verwirrt ob des flirrenden Mixes aus poppiger Musik, flatternden US Flaggen, cremigen Bodybuildern und mehr oder weniger flotten Sprüchen und einer echt gruseligen Story, von der man nicht glauben mag, dass sie tatsächlich passiert ist und die Akteure so wenig Reue zeigten.
Meine Meinung gegenüber den steroiden Muskelbergen konnte der Film nicht verbessern, aber wirklich schlecht fand ich ihn auch nicht.

Pain & Gain Directed by Michael Bay Produced by Donald De Line Michael Bay Ian Bryce Screenplay by Christopher Markus Stephen McFeely Based on The magazine articles and book Pain & Gain by Pete Collins Starring Mark Wahlberg Dwayne Johnson Anthony Mackie Tony Shalhoub Ed Harris Music by Steve Jablonsky Cinematography Ben Seresin Editing by Joel Negron Thomas A. Muldoon Studio Platinum Dunes De Line Pictures Distributed by Paramount Pictures Release date(s) April 26, 2013 Running time 129 minutes[1] Country United States Language English Budget $26 million[2] Box office $49,555,125

2 thoughts on “DerAmerikanischeTraumEines
FitnessFreaks”

  1. Also Mark Wahlberg hat mehrfach bewiesen, dass er spielen kann, und Dwayne Johnson kann auch ein bisschen, bekommt nur selten Gelegenheit.

    Okay, klingt jetzt aber nicht nach nem Film, den ich mir ansehen muss.

SagWas!