Dämonenblut

Spring Breakers von Harmony Korine

SpringBreakersFaith, Candy und Brit sind Collegstudentinnen, die sich bereits seit dem Kindergarten kennen. Zusammen mit Freundin Cotty möchten sie wie alle anderen auch unbedingt zum Spring Break nach Florida, doch sie konnten einfach nicht genug zusammensparen.
Aber während Faith im Kirchenkreis um Erlösung betet, überfallen Candy, Brit und Cotty kurzerhand einen Schnellimbiss, um an das restliche Reisegeld zu kommen, denn Florida ist teuer. Faith kann es nicht glauben, fährt jedoch mit den Dreien.
Die ersten Tage sind ganz nach dem Geschmack von Faith: Party, Alkohol, Drogen und Strand; dann kommt es bei einer Razzia zur Verhaftung der vier Frauen und der Spring Break nimmt eine unerwartete Wendung.

Tatsächlich ist es so, dass „Spring Breakers“ die Gemüter spaltet. Top oder Flop, Trash oder Kunst ist hier die Devise, selten habe ich so unterschiedliche Reaktionen bei einem Film erlebt.
Oberflächlich gesehen denkt man bei „Spring Breakers“ zunächst an einen klassichen Collegefilm. Natürlich nicht so wie in den Achtzigern, sondern modern aufgepeppt mit mehr nackter Haut, mehr Alkohol und noch mehr Drogen und hirnfreien Heranwachsenen, die offensichtlich viel Spaß dabei haben ihre Haut im Wachkoma an den Stränden Floridas zu verbrennen.
Wir begleiten in diesem Fall eine kleine Mädchenclique, die unbedingt auch zur großen Dauerparty nach Florida wollen, weil ihnen auf dem Collegecampus die Decke auf den Kopf fällt und sie nichts mit sich anzufangen wissen. Faith ist von ihnen die Naive, aktiv im Kirchenkreis, denkt sie das Leben kann nur am Strand so schön sein und alle Menschen sind gut, auch ihre Freundinnen. Alle Warnungen anderer Mitstudentinnen schlägt sie in den Wind, kennt sie Candy und Brit schon seit ihrer Kindheit. Doch die zwei und Cotty haben kriminelles Potential, Dämonenblut wie erzählt wird, und wollen so richtig auf die Kacke hauen. Dafür überfallen sie vorab schon mal einen Imbiss und in Florida lassen sie nichts anbrennen, wobei da erstmal Alkohol, Drogen und Tanzen angesagt sind, Sex mit den Milchbubis ist nicht. Als die vier Mädels wegen Drogenkonsums festgenommen und inhaftiert werden, wird es eng, denn für eine Kaution reicht das Geld nicht und die Eltern anrufen ist nicht. Doch die hübschen Girls sind schon längst im Visier von Alien, dem örtlichen Mittelgroßkriminellennachwuchs. Er zahlt die Kaution und nimmt die Vier in seine Obhut. Faith ist nicht wohl bei der Sache und sie darf nach Hause fahren, doch Candy, Brit und Cotty sind beeindruckt, denn Alien hat viel Geld, Drogen und Einfluss und spricht genau das Böse in den Mädchen an. Natürlich wird das kein gutes Ende nehmen.
Harmony Korine sagte mir bislang nichts, aber schon beim Vorspann wähnte mir, dass hier ordentlich „Inspiration“ mit am Werke war. Nun grob genommen passiert in diesem Streifen nicht viel. Die ersten halbe Stunde sieht man die klasischen Ballermannjungmenschen bei Ballermannsachen machen nur eben auf USamerikanisch. Viel Ballonbrüste und völlig sinnloses Treiben gern auch in Dauerschleife. Dann hören wir Dialoge, die kaum sinnbefreiter sein können, aber gut es sind junge Dinger, die scheinbar vom Lande kommen, nichts in der Birne haben und das als die große Unterhaltung ansehen. Die Frage ist nur: warum darf sowas aufs College und was machen die da? Andererseits darf man sich das auch nicht zu einfach machen, denn genau genommen, sei es auch noch so nervig, hinterfragt Korine diese Art von Aktivitäten und quält den Zuschauer bewusst mit sinnloser Dauerparty und ganz schön dumm aussehenden Jungmenschen. Die vier Frauen machen da keinen Unterschied, fällt ihnen doch nichts besseres ein als sich wochenlang zu betrinken und zuzudröhnen und denken so muss das Leben immer sein. Eigentlich recht armselig. Doch dann bringt Korine eine Komponente mit ein, die dem Ganzen eine etwas andere Richtung gibt, in dem er die einfältigen Candy, Brit und Cotty mit dem Nachwuchskriminellen Alien zusammenbringt. Der, hervorragend verkörpert durch James Franco, erfüllt so ziemlich jedes MTVGangstarapper-Klischee, dass es gibt. Vom Dreddlock über die Goldzähne, die alberne Waffensammlung, der krude Einrichtungsgeschmack, bis hin zum weißen Klavier am Pool – alles da und dann kann der Kerl sogar noch korrekt in die Tasten hauen und singen. Was unseren Gangster aber so richtig anmacht, ist, dass Korins ExDisneyGirls so einen extremen Sockenschuss haben und im Grunde gewaltätiger drauf sind als er, nur dass sie gelangweilte Mittelschichtweibsen sind; und so nimmt das Unglück seinen Lauf.
Korine setzt seine Crew großartig in Szene und zieht dabei auch wieder alles ins Lächerliche, seien es nur die rosa Skimützen mit Einhornemblem oder die Kinderzeichentrickfilme, die sich die Mädchen angucken – unreif, aber gefährlich (und hübsch anzusehen) und hinterlässt einen ambivalent Eindruck, bleibt er doch letztendlich sehr harmlos.
„Spring Breakers“ ist alles andere als perfekt. Er nervt, er ist witzig, übertrieben und voller Logiklücken, ist bunt und laut.
Er hat vor allem schöne Momente durch seinen überragenden Kameramann Benoît Debie und die gute Musik von Cliff Martinez und Skrillex, die die Sitze zum vibrieren brachte; dennoch ists nur ein netter unverfänglicher Teeniefilm.7:10

Spring Breakers Directed by Harmony Korine Produced by Charles-Marie Anthonioz Jordan Gertner Chris Hanley David Zander Written by Harmony Korine Starring James Franco Selena Gomez Vanessa Hudgens Ashley Benson Rachel Korine Music by Cliff Martinez Skrillex Cinematography Benoît Debie Editing by Douglas Crise Adam Robinson Studio Muse Productions Division Films Distributed by A24 Annapurna Pictures Release date(s) September 4, 2012 (Venice) March 15, 2013 (United States) Running time 94 minutes[1] Country United States Language English Budget $2 million Box office $5,956,518

13 thoughts on “Dämonenblut”

  1. Ah, also mal eine gute Rolle für James Franco *lach*, es gibt also noch Hoffnung.
    Ach, ich werde mir den Film auf jeden Fall ansehen, nur zur Preview am Freitag konnten wir nicht, da wir in der Columbiahalle auf furchtbar unbequemen Stühlen saßen.

  2. Ich glaube, ich hatte bislang keinen Trailer gesehen und alleine dem Titel und der Besetzung nach wäre ich in den nicht reingegangen. Den Franco kann ich im Moment auch nicht mehr wirklich sehen. Der ist mir etwas zu überpräsent. Vermutlich habe ich eine Franco-Überdosis bekommen. 🙂 Habe mir aber jetzt den Trailer angeschaut, der könnte mir gefallen. 🙂

  3. Ich bin auch nur hin, weils ne Filmstartspreview war und die immer ganz nett sind. Gefühlt habe ich Franco dieses Jahr bereits in 10 Filmen gesehen, es waren aber glaube ich nur 3, weil ich Oz noch nicht gesichtet habe :))
    Der Film ist zwiespältig, aber Franco fand ich endlich mal wieder gut. Penetrant, aber gut :-))

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