KungFuIstPräzision-OderDerWinter,
derAufDenFrühlingFolgte

The Grandmaster von Wong Kar-wai

TheGrandmasterInhalt:
1936, der 40 jährige Ip Man führte bislang das behagliche Leben eines Sohnes aus wohlhabendem Hause. Armut kennt er nicht und so hat er die letzten 4 Jahrzehnte damit verbracht seinen Kung Fu den Wing Chun zu perfektionieren. Ip Man heiratet Cheung Wing-sing und gründet eine Familie.
Als jedoch Gong Yutian, der Großmeister des Nordens verlauten lässt sich zur Ruhe zu setzen und seinen Ziehsohn als Nachfolger bestimmt, fordert er zudem, der Süden müsse einen Großmeister stellen. Dann sollte sich der Norden mit dem Süden messen.
Gong Yutians Nachfolger Ma San, enttäuscht seinen Vater jedoch auf ganzer Linie, währenddessen der Süden Ip Man überredet sie zu verteten. Er nimmt an und kämpft gegen eine der großen Meister des Nordens und gewinnt, auch als er auf Gong Yutian trifft erklärt dieser ihn als Sieger, jedoch kann das seine Tochter Gong Er nicht auf sich sitzen lassen und fordert Ip Man heraus. Das Duell geht an Gong Er und die beiden verlieben sich ineinander. Laut ihres Kodex trennen sich ihre Wege jedoch; der Krieg fordert seinen Tribut, Ip Man verliert zwei Töchter und lebt verarmt in einem zerstörten Haus.
Nach Kriegsende verlässt er seine Familie und geht nach Hong Kong, um dort eine Schule zu eröffnen.
Er wird Gong Er noch einmal treffen.

Fazit:
Es ist fast unmöglich „The Grandmaster“ angemessen in wenigen Worten zu beschreiben und eigentlich ist es genauso gut auch ein Gong Er wie ein Ip Man Film; die fiktive Geschichte um die schöne Gong Er, einzige Tochter des Großmeisters Gong Yutian, aber eben „nur“ eine Frau und darum nicht würdig seine Nachfolgerin zu werden. Gong Er ist dennoch eine Meisterin des Kung Fu und beherrscht als einzige neben ihrem Vater die 64 Hände des Bagua Zhang, die es ihr auch ermöglichen den Meister des Wing Chun Ip Man zu schlagen. Während Ip Man jedoch beherrscht und zurückhaltend lebt, keine Rachgelüste kennt, bestimmt Gong Ers Leben der Hass auf ihren Ziehbruder Man Sa, der nicht nur mit den Japanern gemeinsame Sache macht, sondern auch ihren Vater getötet hat. Entgegen jedes Rates möchte sie Man Sa am Boden sehen und lebt für den Moment der Konfrontation mit ihm, danach fällt sie in ein tiefes Tal.
Parallel dazu sieht man punktuell einige Lebensstationen Ip Mans: das Duell mit dem Norden, sein Kung Fu, seine Philosphie, seine Familie und immer wieder Invasoren und Krieg.
Ursprünglich aus reichem Hause, verlor Ip Man im Krieg zwei Töchter und sein ganzes Vermögen. Verarmt entschied er sich Frau und Kinder zurückzulassen und nach Hong Kong zu gehen.
Natürlich sind das nur wenige nüchterne Fakten, die diesem Epos überhaupt nicht wiedergeben, denn „The Grandmaster“ wäre kein Wong Kar-wai Film, wäre er nicht eine Flut aus schönen Bildern, getragener Musik, noch mehr Postkartenbildern, Zeitlupen, viel Regen und Schnee, Kampfszenen bei Regen und Schnee oder mit dunkelholzigen Bordell, gefrorenen Kirschblüten, bezaubernden 30iger Jahre gestylten Chinafrauen vorzugsweise in Zeitlupe bei perfektem Licht gefilmt, dunklem Holz und wirklich gut choreografierten Kung Fu Kämpfen und überragenden Darstellern.
Sicher, zur großen Enttäuschung vieler Unwilliger Zuschauer, gibt es wenige Dialoge, mehr kurze Lebensweisheiten und Philosophisches rund um den Kung Fu (ich denke, wenn ein Chinese nur ein Wort benutzt, um etwas Komplexes auszudrücken, kann man das als „Kurz gefasst“ bezeichnen), auch bedient sich Herr Wong vieler Figuren wahlweise Meister aus dem Norden oder Süden, auch mal Nordosten mit entsprechend chinesischer Namen, ja er wagt es das Kung Fu der Meister auf seine Basics zurückzuführen, die weniger mit platter Action und viel Blutvergießen, als mehr mit Teechen trinken und ein paar kurzen, aber gezielten Moves am Hut haben; ferner liebt er das dunkle Interieur aus Kirschholz, dessen verstaubte Schnitzereien in der Nase juckten wie die Slow Motion, die immer wieder über die schön geschminkten Gesichter der Bordelldamen glitt, das Spiel mit der Maske: die fast naturbelassene junge Gong Er, unschuldig und unerfahren bis hin zur weißen rotlippigen Opiumsüchtigen Enddreißigerin, mit Sicherheit zeigt er uns aber den wohl erotischsten Kung Fu Fight ever zwischen zwei gegengeschlechtlichen Meistern der Kunst, bei dem sich beinahe zwei Nasen berührten, dafür aber drei Herzen brachen: das der beiden Kämpfer, verwurzelt in ihrem Ehrenkodex und das der Ehefrau, die sofort spürte, dass das Herz ihres Mannes nun nicht mehr ihr gehörte.

Wong Kar-wai bleibt sich mit „The Grandmaster“ treu. Wie schon in dem von mir auch sehr gemochten „Ashes of Time“ (ebenfalls mit dem wunderbaren Tony Leung Chiu Wai) springt er gerne mal in der Zeit vor und zurück und erzählt mehrere Geschichten auf einmal. Ich finde es nicht besonders schwierig da zu folgen, schon aufgrund der knappen Dialoge. Natürlich kann er nicht ohne Liebesgeschichte, dafür muss er hier zwar etwas in die Trickkiste greifen, aber das macht er sehr fein und ansehnlich. Der einzige Wermutstropfen ist für micht die teilweise etwas anstrengende Musik und die gefühlte Länge von 5 Stunden, warum auch immer (wahrscheinlich bin ich die Langsamkeit nicht mehr gewöhnt). Nicht auszudenken, wäre er vier Stunden lang geblieben. Dennoch ein Buh für die nochmals geschnittene deutsche Version, die aus unerfindlichen Gründen nochmals 10 Minuten kürzer ist, als die geschnittene chinesische und die Aussicht auf einen teuren Directors Cut. Auch schade, die zwar sehr humorvoll, aber irgendwie auch nur am Schluss angerissen eingeschobene Ba Ji Quan Schule des Razor Yixiantian (immerhin hat er zwei Jahre für die 10 Minuten gelernt). Damit wurde nur kurz der Einzug der Kung Fu Schulen der Regionen nach Hong Kong angedeutet, fühlte sich jedoch unvollständig an.
Insgesamt ist „The Grandmaster“ ein ausgesprochen anderer, sehr nachdenklicher, aber auch sehr trauriger Kung Fu Film. Sehr chinesisch, weniger Propaganda als in den anderen Ip Man Filmen, dafür emotionaler und intensiver, eben sehr gut.9:10

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The Grandmaster Traditional 一代宗師 Simplified 一代宗师 Mandarin Yī Dài Zōng Shī Cantonese Jat1 Doi6 Zung1 Si1 Directed by Wong Kar-wai Produced by Ng See-yuen Wong Kar-wai Written by Wong Kar-wai Screenplay by Wong Kar-wai Zou Jingzhi Xu Haofeng Story by Wong Kar-wai Starring Tony Leung Zhang Ziyi Chang Chen Zhao Benshan Song Hye-kyo Wang Qingxiang Music by Frankie Chan Cinematography Philippe Le Sourd Editing by William Chang Studio Block 2 Pictures Jet Tone Films Sil-Metropole Organisation Bona International Film Group Distributed by Sil-Metropole Organisation (Hong Kong) Bona Film Group (China) Annapurna Pictures (United States) The Weinstein Company (United Kingdom, Australia) Release date(s) 8 January 2013 (China) 10 January 2013 (Hong Kong) Country Hong Kong[ China] Language Mandarin,] Cantonese, Japanese Budget ¥240 million] Gross revenue ¥162 million

14 thoughts on “KungFuIstPräzision-OderDerWinter,
derAufDenFrühlingFolgte”

  1. (Ich hab falsch getippt.. *schäm* 🙂 )

    Yay, klingt gut. Prima, dass der Film allgemein so wohlwollend aufgenommen wurde, sonst wär das für die Jury kacke gewesen xD

  2. Okay!
    Wie wär’s dann mit ’nem Nonnenkloster?..;-D

    Kleine Anekdote:
    Schlendere heut durch den REWE-Markt, gehe im Geiste
    meine Einkaufsliste durch, guck nach links in einen
    Warenbereich und seh ’ne Nonne, die Nudeln einräumt.
    Ich dachte mir: „Das gibts doch nicht!“ War völlig perplex.
    Bis mir im nächsten Moment klar wurde, dass ja Fasching ist..;-)

  3. Tony Leung ist eigentlich immer super. Auf den Film freue ich mich. Erst kam Blueberry Nights und der hat mir nicht gerade gefallen. Die Asiaten sollten lieber daheim gute Filme machen 🙂

    1. Ach je und ich mag ihn so sehr, aber es ist wirklich so, diese Art von Entschleunigung ist nicht für jeden das Richtige. Üblicherweise bin ich für langsame Filme auch nicht so unbedingt zu haben, aber hier war so viel zu sehen und ich konnte mich auf die Details konzentrieren. Zugegeben, da bin ich bei den Asiaten sehr tolerant sofern es um Martial Arts geht.

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