SinnUndSinnlichkeit

Perfect Sense von David MacKenzie

Von allen Sinnen verbindet uns am meisten der Geruch mit unseren Erinnerungen und der Vergangenheit. Geschmack verankert uns in der Gegenwart. Hören und Sehen helfen uns durch die Welt zu finden. Aber es ist der Tastsinn, der uns miteinander verbindet.

Perfect_SenseInhalt:
Die Epidemiologin Susan steht vor einem Problem: Patienten, die zuerst eine heftige Traurigkeit überfällt verlieren ihren Geruchssinn. Erst sind es wenige, doch dann greift das Phänomen auf die gesamte Weltbevölkerung über. Auch sie und der Chefkoch Michael, der sich in Susan verguckt hat sind betroffen. Die Menschen sind frustriert, doch das Leben geht weiter. Michael beschließt neue Gerichte anzubieten, kräftig zu würzen, das Essen neu erleben zu lassen und er wirbt um Susan, die ihm schließlich erliegt. Doch dann kommt der große Hunger und als der vorbei ist haben die Menschen keinen Geschmack mehr…

Fazit:
Welches ist Dein wichtigster Sinn? Was machst Du aus Deinem Leben? Und was macht das Leben lebenswert?
Jeder hat sich sicherlich schon gefragt auf welchen Sinn er verzichten könnte. Ist es das Sehen oder könnte man sich mit Taubheit arrangieren, ist riechen wirklich wichtig?
MacKenzie machte sich nun auf seine Version des Menschseins darzustellen. Wie gehen wir durch die Welt, was nehmen wir wahr, worauf können wir verzichten und in wie weit können wir uns reduzieren, wenn unsere Sinne versagen. Verzagen wir oder machen wir das beste daraus, leben weiter, versuchen unsere Ordnung zu erhalten. Wie wichtig ist Liebe, menschliche Nähe, ist es das essentielle am Leben?
Viele Fragen, dennoch keine Antworten.
Anhand der Liebesgeschichte zwischen Susan und Michael, die zu beginn eigentlich beide keine großen Sympathieträger sind, beschreibt MacKenzie unser Ende und das, was uns bleibt und vielleicht ausmacht.
Susan verschließt sich Partnerschaften, weil sie keine Kinder bekommen kann, sich minderwertig fühlt, ist nicht gerade ein warmherziger Typ. Michael lebt in seiner Küche, ist zwar impulsiv, doch kann er neben niemanden liegen und schlafen, ist genauso beziehungsunfähig wie Susan. Doch dann finden die beiden zusammen, durchleiden in ihrer neuen Verletzlichkeit gemeinsam den Verlust ihrer Sinne und die extremen Gefühle, die dem Sinnverlsut vorangehen.
Susan beschreibt das Ende Schritt für Schritt. Während viele aufgeben, gibt es immer wieder Menschen wie Michael, die sich aufrappeln und weitermachen, versuchen das Beste aus der Situation herauszuholen, sich mit seinem reduzierten Dasein zu arrangieren. Doch irgendwann bricht alles Zusammen. Wie soll es weitergehen ohne hören und sehen zu können, das zu schmecken was einem am Leben erhält, Gefahr zu riechen?
Ja der Tastsinn ist noch übrig richtig, wenigstens kann man noch die Tränen des anderen spüren, sich umarmen, aber kann einander haben alles sein, das überleben sichern? Ist das der Sinn des Lebens?
Das muss sich jeder selbst beantworten, denn MacKenzie tut dies nicht, ebenso wenig wie er mir trotz seiner extrem getragenden Erzählung ein Tränchen abringen konnte oder in meinen Augen eine wirklich romantische Liebesgeschichte erzählte. 
Susan und Michael zwei Menschen mit tiefen emotionalen Problemen finden zufälligerweise zueinander, als die Welt auseinanderbricht. Unter extremen Umständen und beginnendem Sinnverlust verlieben sich die beiden ineinander ohne je die Chance zu haben eine richtige Beziehung zu führen, da das Leben bereits aus dem Ruder läuft und das Ende des Überlebens eingeläutet wurde. Natürlich weiß man nicht, was aus den beiden unter normalen Umständen geworden wäre, doch hier sehe ich eine, wenn auch frisch verliebte, Zweckgemeinschaft, denn nichts ist schlimmer als in diesen Zeiten alleine zu sein; das wollen nicht mal Susan oder Michael.
Perfect Sense – der so unterschätzte Tastsinn, vielleicht will MacKenzie auch nur eine stärkere Interaktion der Menschen miteinander anregen. Weniger vor Maschinen und Geräten sitzen, den direkten Kontakt pflegen, sich in die Arme nehmen, damit wir nicht irgendwann vereinsamen. Wer weiß das schon so genau.
„Perfect Sense“ ist ein schwermütiger Film, den man keinesfalls in seiner Deprophase oder an einem veregneten Sonntag sehen sollte. Kein Meisterwerk, aber über weite Strecken berührend und zum Nachdenken anregend, mit einer wunderbaren Eva Green und einem akzeptablen Ewan McGregor.
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p>Perfect Sense D/GB/S/DK 2011 / 35 MM / 92 MIN / ENGLISCHE OV REGIE DAVID MACKENZIE DARSTELLER EVA GREEN / EWAN MCGREGOR / CONNIE NIELSEN / EWEN BREMNER / STEPHEN DILLANE / ALASTAIR MACKENZIE DREHBUCH KIM FUPZ AAKESON PRODUZENT GILLIAN BERRIE / MALTE GRUNERT VERLEIH SENATOR FILM

8 thoughts on “SinnUndSinnlichkeit”

  1. Hach Charles, meine Augen werden ganz wässig, wenn ich deine Zeilen lese. Eine sehr schöne Rezension. Wie soll ich da noch die Kraft finden eine eigene zu schreiben? 🙂
    Eventuell sollten wir Frau Flinkwert dazuholen. Ich erinnere mich noch, dass ich mit ihr nach dem Film zu diskutieren begann, ob den Menschen der Tastsinn am Ende nicht auch abhanden kommen wird, aber ich glaube, wir wurden abgelenkt xD.

  2. 🙂 wie lange kann ein Mensch von Luft und Liebe leben? Vielleicht sterbe ich nicht einsam, aber wenn niemand mehr sehen und hören kann, schmecken oder riechen was man isst und trinkt wird es schwer sich länger als eine Woche über Wasser zu halten. Letztendlich bleibt nur der zwischenmenschliche Trost und das warten auf das Ende. Aber ich möchte Dich nicht noch mehr frustrieren ^.^
    Dir wird schon was richtig gutes zum Film einfallen, da bin ich mir sicher. Schließlich hast Du Dein magisches Notizbuch.

  3. Für mich stand weniger die Frage im Vordergrund, welcher Sinn der wichtigste ist, sondern ich war mir sicher, dass wenn der Film weitergegangen wäre, auch der Tastsinn verloren werden würde. Insofern endet der Film schon deprimierend genug, als dass sie sich nur noch fühlen können und die Nähe des anderen spüren können, wenn aber der Tastsinn flöten geht, können sie nur noch auf den Tod warten. Und diesen Gedanken finde ich so viel schlimmer, als von einem Virus schnell dahin gerafft, von den Auswirkungen eines Sonnensturms getötet oder von Zombies gefressen zu werden. Vielleicht hat mich die Geschichte deshalb so mitgenommen. Und ja, Zweckgemeinschaft, irgendwo stimmt das schon, was aber auch deutlich war, ist dass die Menschen sich ja erstmal immer an die neue Situation gewöhnt haben, also erst Geruch, dann Geschmack, und trotzdem geht das Leben weiter. Insofern hätten sie sich nicht so sehr aufeinander einlassen müssen.

  4. Ich sag ja, da kann man ohne ende diskutieren. Ich glaube schon, dass es um den perfekten Sinn ging, perfekt vielleicht deshalb, weil nur der Tastsinn die Menschen wirklich zusammenführt. Ohne Berührungen, keine menschliche Nähe. Ob sie den am Schluss auch noch verlieren ist egal, denn ohne die anderen Sinne kann der Mensch nicht mehr überleben. Sie können vielleicht das ein oder andere ertasten, aber nicht mehr feststellen, ob das Wasser aus dem Hahn tatsächlich noch trinkbar ist, das Stück Brot verschimmelt. Niemand kann mehr los und sich Nahrung beschaffen; es gibt nur noch die Möglichkeit sich gegenseitig Wärme zu geben und zu sterben.

  5. Man, der Film hört sich ja interessant an und auch und wie Du ihn so liebevoll beschreibst, nicht unbedingt als ein Film für das FFF. Ich glaube, dass Ewan McGregor seine schwache Phase jetzt schon seit einiger Zeit überwunden hat, er gefällt mir immer besser. „Perfect Sense“ muss ich unbedingt gucken!

  6. Für mich wäre das schon ein sehr großer Trost in den Armen einer geliebten Person auf mein Ende zu warten. Obwohl das im Filmszenario wohl ein langsamer und qualvoller Tod sein wird… Hach Charles, ich muss schon wieder nach Taschentüchern suchen gehen!

  7. Da siehst Du mal wieder wie vielfältig und offen das FFF ist.
    Das ist schon ein ganz besonderer Film und Eva Green ist so zerbrechlich und McGregor, ja man kann ihn angucken 🙂
    Ich glaube auch, dass Dir der Film gefallen wird 😀

  8. Ja, ja ich war ja schon die letzten Jahre hin und wieder überrascht, dass die Filme auswählen, die ich nicht unbedingt mit dem FFF assoziieren würde. Wenn es mir nicht so davor grauen würde, volle Kinos zu besuchen, wäre ich sicherlich längst auch mal auf dieses Festival gegangen. 🙂

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