DasWeiblicheAccessoire

Das Schmuckstück von François Ozon

Das_SchmuckstückInhalt:
Wir befinden uns in den Siebzigern. Die Französin Suzanne Pujol ist zwar Erbin eines Regenschirmimperiums, doch als ihr Vater stirbt übernimmt ihr Ehemann Robert die Leitung des Werkes. Mit 45% der Aktien aus der Mitgift hat er die Mehrheit und Suzanne ist nur noch Hausfrau und Mutter. Mittlerweile sind die Kinder aus dem Haus und Robert ein ausgewachsener notgeiler Choleriker ohne Gespür für seine Arbeiter.
So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass ausgerechnet seine Fabrik bestreikt wird, um für die 40 Stunden Woche und ein paar Tage mehr Urlaub zu streiten.
Robert hat dafür kein Gehör, regt sich jedoch so auf, dass er seine Herztropfen vergisst und kollabiert. Ausgerechnet während des Streiks muss nun Suzanne einspringen, denn ihre beiden Kinder weigern sich. Aber das Schmuckstück hat ein Händchen für ihre Angestellten sowie unter ihrer Regie auch ihr begabter Sohn Laurent mit ins Boot kommt und die Fabrik in ein neues Hoch führt. Nichtzuletzt hat sie auch viel dem kommunistischen Bürgermeister Babin zu verdanken, den sie bereits von einem Jahrzehnte zurückliegenden Tête-a-Tête kennt.
Als Robert jedoch wieder gesund wird kommt es zu neuen Schwierigkeiten, denn der will das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen.

Fazit:
In „Das Schmuckstück“ möchten es Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy auf die Spitze treiben. Nicht nur, dass die arme steinreiche Suzanne von Mann und Kindern vernachlässigt wird, hat sie im Haus und sonst wo auch so gar nichts zu sagen, wird von ihrem Ehemann nach Strich und Faden betrogen und nicht im Geringsten für voll genommen, ja im Gegenteil total verhöhnt.
Im Gegensatz dazu steht Robert Pujol, der eher wie das HB-Männchen rüberkommt und dazu noch ständig unsympathisch und Spitz wie Nachbars Lumpi versucht seine Sekretärin zu bespringen. Eigentlich ist er der klassisch moderne Unternehmer, den seine Arbeiter nicht die Bohne interessieren, sondern bei dem die Gewinnmaximierung an erster Stelle steht.
Suzanne sieht, in der Tradition ihres Vaters, sich, Fabrik und Arbeiter als eine Einheit, als Familie, die es zu pflegen und hegen gilt und als sie in einer Notlage die Leitung übernehmen muss, weiß sie auch ihren weiblichen Charme beim Bürgermeister einzusetzen, damit er ihr bei den Streikverhandlungen hilft. Doch Suzanne ist aufrichtig und glaubwürdig und so bringt sie frischen Wind in die Produktion und motiviert die Mitarbeiter von Grund auf neu.
Während ihr künstlerischer Sohn Laurent aktiv mit hilft neue Produkte zu entwerfen, fällt der konservativen Tochter Joëlle nichts besseres ein, als Suzanne eine Businessplan aus den Händen ihres Ehemannes vorzulegen, der die Verlegung der Produktion in ein Billiglohnland vorsieht.
Und während Suzanne nun alles versucht die Fabrik und aller Leben in Schwung zu bringen, wird sie mit einer alten Kurzliebe in Form des Bürgermeisters, der seinerzeit noch verschwitzter Arbeiter war, konfrontiert und der Frage, wer nun eigentlich Laurents wahrer Vater ist. Aber das nur am Rande.
Wie anfangs erwähnt möchten es die Schreiber dieses erfolgreichen Bühnenstücks, der Vorlage diesen umjubelten Filmes, auf die Spitze treiben, jedoch ist „Das Schmuckstück“ für meinen Geschmack für eine Satire einfach zu harmlos und eher ein Boulevardstück, wenn man den Schluss ausnimmt.
Besonders die Szenen mit Fabrice Luchini waren anstrengend, da dieser in Louis de Funès-Manier, aber längst nicht so gut, den cholerischen Patriarchen mimt, der natürlich ein Verhältnis mit der vollbusigen Sekretärin hat und mit Geschäftspartnern in den Puff geht und einfach nur unsympathisch rüberkommt.
Vielleicht habe ich den Film auch einfach nicht verstanden, obwohl was gab es da zu verstehen?
Eine weitere Frage war natürlich, warum das Stück in den Siebzigern spielte. Wollten die Macher einfach mal wieder den gediegenen Buntlook mit Ockertönen sehen oder was? Schmuckstücke wie Suzanne gibt es bis heute, Unternehmermänner wie Robert auch und kommunistische Bürgermeister in Frankreich ist auch nichts, was nur in die Siebziger gehört.
Was bleibt ist ein mittlerweile älter gewordenes und sicher durchgeliftetes aber immer noch heißes Mädchen mit großer Leinwandpräsenz, Catherine Deneuve und ein gewaltig raumfüllender Gérard Depardieu, dem man in so mancher Szene wünschte, dass es nur eine Dekoration war in der er stand und nicht wirklich ein 5 qm Plattenbauzimmer mit Eckcouch.
Was resümieren wir nun?
„Das Schmuckstück“ ist eine gut besetzte französische Gesellschaftskomödie, die prächtig anzusehen, aber teilweise schwer zu ertragen ist. Ausgerechnet eine Industriellenfamilie als Beispiel für den emanziaptorischen Kampf auszuwählen, dabei die Protagonistin noch dadurch in Frage zu stellen, dass sie leicht nymphomanische Züge hat, halte ich für fragwürdig.
Insgesamt einer der schwächeren Franzosen der letzten Jahre.
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Frankreich 2010 – Originaltitel: Potiche – Regie: François Ozon – Darsteller: Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Karin Viard, Jérémie Rénier, Sergi Lopez – Prädikat: besonders wertvoll – FSK: ab 6 – Länge: 103 min.

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