DasLetzteGewöllOderDer
Totenflüsterer

Biutiful von Alejandro Gonzáles Inárritu

biutifulInhalt:
Uxbal ist lebt in einer sehr grauen Zone. Als alleinerziehender Vater von zwei Kindern, die er über alles liebt, verdient er seinen Lebensunterhalt durch die Vermittlung illegaler Einwanderer zur Schwarzarbeit, ist in der Raubkopieherstellung tätig, deren Verkauf er wiederum durch illegale Schwarzafrikaner organisiert und er hat eine Gabe; Uxbal kann mit den Seelen der Toten sprechen, die kurz nach ihrem Tod um Vergebung bitten oder noch etwas zu sagen haben. So trägt der Mann eine große Last auf seinen Schultern, denn er ist einer von den Guten. Aufopfernd und lieb zu den Kindern, aber auch gegenüber den Illegalen, die er betreut, übernimmt er Verantwortung. Daneben die Gabe, die ihm nicht nur Dank einbringt und zuguterletzt erfährt er, dass er Prostatakrebs hat und bald sterben wird.
Nicht viel Zeit seine Geschäfte in Ordnung zu bringen und für die Kinder eine Lösung zu finden und dann bricht über ihm noch eine Katastrophe herein, die er selbst verschuldet hat.

Fazit:
Ohne Wenn und Aber „Biutiful“ ist ein großartiger Film, aber auch unglaublich frustrierend und quälend.
Alejandro Gonzáles Inárritu zeigt uns ein ganz anderes Barcelona – mit Abstand das hässlichste Barcelona, das man im Film bislang zu sehen bekam. Ungeschönt wirft er uns in die Gossen der Armenviertel, zerrt uns in dreckige Wohnungen, Verschläge und Keller ohne Sanitäre Einrichtungen, stößt uns mit Gewalt auf die unhaltbaren Zustände, unter denen die Armen wie die illegalen Flüchtlinge in der Großstadt leben, wie sie versuchen ihr Dasein einigermaßen in Würde zu bestreiten und scheitern.  I
biutiful+nárritu geht in die vollen, denn es bleibt nicht bei der Schilderung der Ausnutzung der Ärmsten der Armen, sondern wir sehen alles durch die Augen seines Protagonisten, einem Mann, dem auch gar nichts erspart bleibt. Uxbals Ehefrau ist manisch depressiv und nicht mehr in der Lage für sich und die Kinder zu sorgen, darum hat er das alleinige Sorgerecht und kümmert sich liebevoll um die beiden. Kein Leichtes für einen Mann im abgerissenen kleinkriminellen Milieu zwischen Schwarzhandel und Menschenschiebereien. Dazu hat Uxbal eine übersinnliche Gabe mit der er Geld verdient und die ihn sehr belastet, denn die Toten lassen ihn nicht los. Ganz dramatisch wird es dann als der relativ junge Mann auch noch Krebs im fortgeschrittenen Stadium hat und bald sterben wird. Für Uxbal heißt es nun in Windeseile seine Geschäfte in Ordnung zu bringen und die Kinder versorgt zu sehen. Doch er macht einen großen Fehler, was ihn psychisch noch mehr runterzieht.
Inárritu lässt einem keine Verschnaufpause, kein durchatmen und kaum einen Schmunzler, nur in den wenigen heiteren Familienszenen.
„Biutiful“ wird zur Tortur und wäre sicherlich ein Film, der eine zweite Sichtung lohnte, wäre da nicht die absolut schreckliche Musik von Gustavo Sanatolalla. Klaviergeklimper vom Schlimmsten. Und an dieser Stelle muss ich immer wieder betonen: ein Film steht und fällt auch mit seiner Musik.
Somit ist „Biutiful“ ein Streifen für hartgesottene Fans. Rau, ungeschönt, interessant, bewegend und ein ganz fantastischer Javier Bardem.8_rabbit_animal_pink_cute

Spanien / Mexiko 2010 – Regie: Alejandro González Iñárritu – Darsteller: Javier Bardem, Maricel Álvarez, Eduard Fernández, Hanaa Bouchaib, Ana Wagener, Manolo Solo, Rubén Ochandiano, Guillermo Estrella – FSK: ab 16 – Länge: 147 min. –

12 thoughts on “DasLetzteGewöllOderDer
Totenflüsterer”

  1. Ah, du warst schon fleißig, ich konnte mich noch nicht dazu durchringen, was zu schreiben.
    Ja, ein guter Film, und einer, wo man als Zuschauer auch nicht alles schon fertig vorgekaut serviert bekommt, das ist ja auch relativ selten der Fall.

  2. Überraschenderweise habe ich das Klaviergeklimper heute schon total verdrängt und sehe recht positiv zurück. Alles war so authentisch und trotz der heftigen Inhalts mit Leichtigkeit gespielt, sowas sieht man selten.

  3. Ich kann dir nur Recht geben. Ein unglaublich guter Film. Allerdings kein Vergnügen, sonder eher harte Arbeit, sich den Film anzusehen. Ich bin genau so gedrückt aus dem Kino raus, wie damals bei „Pans Labyrinth“. Filme, die keinen Platz für Hoffnung lassen, machen mich fertig.

    Ich finde ja, die Ehefrau „Maricel Álvarez“ hätte auch eine Oscar-Nominierung verdient. Die war großartig.

    Ich möchte mir gar nicht vorstellen, in welchen Kellern in Berlin Ähnliches geschieht.

  4. Der Film beschäftigt mich heute noch. Manche Szenen habe ich ständig vor Augen. Stimmt, Pan’s Labyrinth war auch so ein Schlag in die Magengrube.
    Ja Maricel Álvarez war fantastisch und ohne Zweifel hätte sie gut in die Riege der oscarnominierten Damen gepasst. Ich fand die Nominierung für Bardem ja schon sensationell, immerhin liegt das Augenmerk praktisch Null auf nicht englischsprachigen Filmen.
    Tja, ich glaube Sklaven-Fabriken haben wir hier nicht in der Stadt, aber nichtsdestotrotz wird sicher der ein oder andere Verschlag für die Unterbringung und Verschiebung Illegaler benutzt.

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