DerVergesslicheKoch

Vengeance von Johnnie To

vengeanceInhalt:
Der Restaurantbesitzer Francis Costello muss aus einem traurigen Anlass nach Macao. Seine Tochter und ihre Familie wurden in ihrem Haus überfallen, ihr Mann und die beiden Kinder sind Tod, sie überlebte schwer verletzt. Mit letzter Kraft deutet sie ihrem Vater, dass es drei unbekannte Männer waren, die sie überfielen und sie einem der drei ein Ohr abschießen konnte. Sie will Rache und Francis macht sich auf den Weg herauszufinden, wer seine Familie auf dem Gewissen hat. Der Zufall spielt ihm in die Hand, denn als er im Hotel auf sein Zimmer geht, hört er Schüsse und sieht drei Attentäter aus dem Zimmer kommen. Sie töten ihn nicht, aber Francis folgt ihnen und macht den Dreien ein großzügiges Angebot…

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p>Fazit:
Vengeance besticht in erster Linie durch seine Protagonisten, allen voran Johnny Hallyday als Rächer, der sein Gedächtnis verliert. Erinnerungen an den hervorragenden „Alzheimer Case“ werden wach, in dem ebenfalls ein alter Mann einen Rachefeldzug startet. Zwar mit völlig anderem Hintergrund, dennoch sehen wir bei beiden Hauptdarstellern das interessante Zusammenspiel aus Alter und Erfahrung, Vergessen, Zerbrechlichkeit, Unberechenbarkeit und Härte. Für mich eine sehenswerte Kombination, die hier unglaublich gut von Johnny Hallyday umgesetzt wurde und ich will behaupten, dass es ein Glück war, dass Alain Delon keine Lust dazu hatte die Rolle zu übernehmen.
Hallyday spielt den Restaurantbesitzer und Koch Francis Costello, der sein Etablissement auf der Champs-Élysées betreibt. Seine Tochter, die mit einem Chinesen verheiratet ist wurde überfallen, Kinder und Mann getötet. Sie sinnt auf Rache und ihr Vater ist das willige Werkzeug, das sich sofort daran macht ihren Wunsch auf Vergeltung in die Tat umzusetzen.
Doch die Angelegenheit hat einen Haken, denn Francis hat ein schwerwiegendes Problem, das sich schleichend andeutet, bis er damit herausrückt: er hat eine Kugel im Gehirn, die dazu führt, dass er sein Gedächtnis verliert. Somit ist ungewiss wie viel Zeit ihm noch bleibt um seinen Auftrag auszuführen.
Er geht besonnen vor und sucht sich ein Killertrio, dass er zufällig bei der Arbeit überraschte, dass ihn als Zeugen aber nicht umbrachte. Er bietet den Männer sein komplettes Vermögen zur Erfassung und Hinrichtung der Täter und des Verantwortlichen; ein Angebot, dass sie nicht ablehnen können. Nebenbei geht es hier auch um Ehre und die Rache für eine Familienangelegenheit.
Die Killer bekommen schnell heraus, dass Francis selbst kein unbeschriebenes Blatt und vom Fach ist und so wird der Rachefeldzug auf Leben und Tod eine Ehrensache unter Freunden und Gleichgesinnten.
Johnnie To inszenierte „Vengeance“ ziemlich clever. Man bekommt hier und da ein Häppchen Information zugeworfen und kann sich über Rückblenden, manchmal nur Fotos ein ganzes Bild machen. So kann der Zuschauer nur spekulieren ob Francis wirklich ein Profikiller war – die Waffe mit verbundenen Augen zusammensetzen beherrscht er jedenfalls.  Auch wird erst relativ spät gezeigt, was mit der Familie passierte, die Zusammenhänge setzten sich puzzelartig zusammen und wie nebenbei erfährt man den Grund des Überfalls. 
Auch interessant wie menschlich hier die Killer auf beiden Seiten gezeigt werden. Ob das liebevolle Beisammensein mit der Familie, die schützende Hand über auf dem Müllplatz lebenden Verwandten oder das gemeinsame Kochen und Essen, hier sind Menschen unterwegs, wenn auch mit dem falschen Beruf.
Natürlich ist der Streifen ohne jeden Zweifel gewaltverherrlichend, auch wenn nur Blutpatronen zerplatzen, hat er sicherlich die falsche Botschaft: Rache ist Blutwurst, aber was solls. 
Hier treffen Killer aufeinander, aus denen Freunde werden und die für einander in den Tod gehen. 
Rührend wie sich das chinesische Trio um ihren Auftraggeber bemüht und ihm ihre gesamte Loyalität entgegenbringen. Wie schlimm es um den geistigen Zustand Costellos bestimmt ist, wird klar, als er auf der Flucht nicht hinterherkommt und Fotos braucht um seine „Freunde“ wieder zu erkennen und dann auch noch vergisst was sie eigentlich machen, aber der Auftrag steht.
Man mag kritisieren, dass „Vengeance“ nichts neues bietet, dennoch imponiert der Streifen neben der durchaus akzeptablen Story mit tollen Kameraeinstellungen und schönen Bildern selbst vom den Schattenseiten einer Großstadt.
Besonders nett auch eine Müllplatzszene, in der sich die verfeindeten Parteien unter dem Schutz von großen gepressten Papierwürfeln aufeinander zu bewegen und sich Duellieren.
Johnnie To drehte einfach einen ganz schön guten Revengethriller mit einem tollen Johnny Hallyday, der zudem an vielen Stellen auch echt schmunzelig ist. Absolut sehenswert.10 rabbit_animal_pink_smile

„Vengeance“ lief am Samstag im ARD Nachtprogramm ab 18 Jahre.

Vengeance Directed by Johnnie To Produced by Michèle Pétin Laurent Pétin Johnnie To Wai Ka-Fai John Chong Peter Lam Written by Wai Ka-Fai Starring Johnny Hallyday Anthony Wong Lam Ka-Tung Lam Suet Simon Yam Sylvie Testud Music by Lo Tayu Cinematography Cheng Siu-Keung Editing by David M. Richarson Studio ARP Sélection Media Asia Films Milkyway Image Distributed by ARP Sélection (France) Media Asia (HK) IFC Films (USA) Release date(s) May 2009 (Cannes) 20 May 2009 (France) 20 August 2009 (HK) September 2009 (TIFF) Running time 109 minutes Country Hong Kong France Language English French Cantonese

11 thoughts on “DerVergesslicheKoch”

  1. Nach deinem Review bin ich richtig froh, dass ich ihn aufgenommen habe 😀 Zusammen mit „Bittersweet Life“, der letzte Woche auf Tele5 lief und den ich gestern gesehen habe. Schien mir aber geschnitten zu sein 🙄
    Habe zu Weihnachten noch zwei John-Woo-Filme bekommen (Hard-Boiled I+II), auf die ich mich schon freue :yes:

  2. Woah, 10/10 von dir? Den muss ich sehen! 🙂

    Johnnie To scheint echt ein Tipp zu sein. Letztens erst hat mir jemand von „Sparrow“ vorgeschwärmt, den ich mir auch drigend ansehen sollte xD.

  3. Wieso, ich gebe doch gerne mal die volle Punktzahl, wenn mir der Film gefällt ^.^
    Bin da gar nicht so knauserig wie die anderen. Aber natürlich habe ich auch als Einzige schon 0 Punkte vergeben. Hier wird hart gerichtet ;D

  4. So, mittlerweile habe ich ihn auch gesehen und ich stimme deiner Bewertung zu. Ob Delon besser oder schlechter gewesen wäre, wage ich nicht zu sagen. Bin eigentlich ziemlicher Delon-Fan und die Figur steht ja schon ein bisschen in der Tradition seiner früheren Rollen. Auch enthält der Film ja einige Anspielungen auf den „Eiskalten Engel“, angefangen beim Namen „Costello“.
    Hallyday hat mir aber gut gefallen, und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn bis dato gar nicht kannte 🙄

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