WasVomGeistÜbrigIst

Gedankenhaie von Steven Hall

hall_gedankenhaieInhalt:
Als er wieder ins Leben erwacht, ist alles weg. Kein Name, keine Orientierung, keine Selbsterkennung, kein Fünkchen Erinnerung. Auf dem Zettel, den er findet steht er solle ruhig bleiben, die Nummer von Dr. Randle anrufen und sagen er wäre Eric Sanderson. Panik steigt in ihm auf. Dr. Randle redet von Dissoziationsstörung, Gedächtnisverlust und das es nicht das erste Mal gewesen wäre! Eric versucht sich selbst zu finden und die Briefe, die er von sich selbst erhält zu ignorieren, doch nach ein paar Monaten der Stagnation will er endlich herausfinden was passiert ist und öffnet die Mitteilungen, eine nach der anderen…

Fazit:
Gedankenhaie von Steven Hall läuft unter der Rubrik Thriller, ist jedoch eher ein Psychothriller. Freunde des gepflegten Kriminalromans werden wahrscheinlich enttäuscht werden. So viel vorneweg.
Wer sich zuerst nur wundert welch mysteriöse Umstände zum totalen und mehrmaligen Gedächtnisverlust des Eric Sanderson geführt haben könnten und die Hoffnung hegt, es handle sich um eine Art Agententhriller, wird bald eines besseren belehrt, denn der Fall liegt ganz anders. Und so fängt der Psychoprofi an zwischen den Zeilen zu lesen und Indizien zu sammeln. Was sagt die Psychologin, wie ist das Selbstbild des Protagonisten, was passiert hier eigentlich bis schließlich zum was ist noch real und was spielt sich nur in seinem Kopf ab. Hall hat mit „Gedankenhaie“ einen sehr ungewöhnlichen Roman verfasst, der in seiner Schreibweise wie in der Buchgestaltung äußerst unkonventionell ist. Er erschafft dabei eine ganz surreale Gedankenwelt, die sich bisweilen an berühmten filmischen wie literarischen Vorlagen orientiert. Die augenscheinlichsten sind hier „der weiße Hai“ und „Mobi Dick“.  Genau zu beschreiben was in diesem Roman vor sich geht fällt mir schwer, da ich die Schrägheiten des Romans gar nicht so wiedergeben kann. So viel nur:
„Eric Sanderson versucht herauszufinden warum er sein Gedächtnis verloren hat und erfährt währenddessen, dass er vor gut einem Jahr seine Freundin bei einem Tauchunfall in Griechenland verloren hat. Anfänglich schien er mit der Situation gut klarzukommen, doch nach ca. einem halben Jahr bekam er psychische Probleme und begab sich in Behandlung. Des weiteren stellt er im Verlauf seiner „Ermittlungen“ fest, dass sich ein „Gedankenhai“ seiner Erinnerung bemächtigt, sprich sich von ihr ernährt. Dank seiner Briefe an sich selbst kann er sich meist gegen die Angriffe erwehren. Er trifft auf die hübsche Scout, mit deren Hilfe er Professor Fidorous ausfindig machen will, den einzigen Menschen der ihm und auch der Frau helfen kann, denn die ist von einem Virus befallen, der sie in einen kollektiven Geist vereinnahmt hat.“
Man ahnt schon, dass es sich um keine Standardlektüre handelt, aber es ist noch viel kurioser.
Zur Aufmachung: neben den fantasievollen Gedanken- und Wortkonstrukten, spielt Steven Hall auch visuell mit den Buchstaben. So nähern sich über mehrere Seiten eine Ansammlung Buchstaben, die sich nach und nach als Hai entpuppen – den angreifenden Gedankenhai. Das macht Spaß und lockert die immer ernster werdende Geschichte ungemein auf.
Ich muss zugeben am Ende mehr als ein Tränchen in den Augen gehabt zu haben.
Skull 9:10
„Gedankenhaie“ hat mir ausgesprochen gut gefallen und ich kann das Buch guten Gewissens weiterempfehlen.

Steven Hall, Gedankenhaie, Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Raw Shark Texts, Piper Verlag, München 2007, ISBN-10 3492050352, ISBN-13 9783492050357, Taschenbuch, 432 Seiten

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